Leben

Nichts von alledem ist auch nur annähernd wahr.

Nichts könnte weiter von der Realität entfernt sein.

Die Transmigration der Gunskirchner Lutherianer

Johann Cajetan Giovanelli von Gerstburg stammt aus einem alten lombardischen Adelsgeschlecht, das urkundlich 1237 bezeugt ist. Er wurde am 11. April 1699 in Bozen als Sohn des Dominik Franz Giovanelli, Ritters von Gerstburg, des landesfürstlichen Oberforstmeisters und seiner Ehegattin Katharina Kraus von Scala und Krausegg geboren. Er hatte 14 Geschwister, von denen zwei Brüder, Josef und Dominik ebenfalls Priester wurden. Johann Giovanelli trat die Seelsorge in der Pfarre Gunskirchen im Jahre 1742 an. In seiner Amtszeit begann der Protestantismus, der durch die Gegenreformation als besiegt angesehen wurde, im Jahre 1752 neu aufzuflackern. Es ging das Gerücht um, der kaiserliche Hof habe mit dem König von Preußen ein Abkommen abgeschlossen, dass die freie Religionsausübung, die Kommunion in beiden Gestalten und zwei öffentliche Kirchen mit Pastoren gestattet werden sollten. Und so kamen die Leute im Hausruckviertel zu ihren Pfarrern, ließen sich aus dem Beichtregister ausstreichen und gleichzeitig als Protestanten aufschreiben. Den Anfang machten die Bewohner des Vikariates Pennewang, wo sich 147 Pfarrkinder als Protestanten erklärten. Innerhalb von 14 Tagen bekannten sich im Hausruckviertel 1400 Personen offen als Lutheraner. Maria Theresia war fest davon überzeugt, dass der Protestantismus in Oberösterreich durch Intensivierung der seelsorgerischen Betreuung der Landbevölkerung wieder beseitigt werden könne. In den vom Protestantismus „angesteckten“ Gebieten wurden Missionsstationen errichtet. Im Pfarrgebiet von Gunskirchen wurden Missionare – Kapuzinerpatres aus Wels im Bauernhaus des Wangesberger in Thal 3, einquartiert. Die Aufgabe der Missionare war es, die Leute im katholischen Glauben zu unterrichten und zu bestärken, den Gottesdienst auch in entlegenen Dörfern zu feiern, die Leute in ihren Häusern aufzusuchen und i hnen dort Christenlehren zu halten, Protestanten auszuforschen und zur Rückkehr zum katholischen Glauben zu bereden, lutherische Bücher zu beschlagnahmen und dafür katholische Bücher zu verteilen. Zur einfacheren Verwaltung teilte man das ganze Missionarsgebiet in vier Bezirke ein, an deren Spitze ein geistlicher Missionssuperior und ein weltlicher Religionskommissar standen. In Missionsbezirk Lambach, amtierte Johann Cajetan von Giovanelli als Dechant von Gunskirchen und geistlicher Superior. Als weltlicher Religionskommissar stand ihm Franz Xaver Gapp, Hofrichter von Lambach, zur Seite. Dechant Giovanelli war als Missionssuperior die Schaltstelle zwischen dem Bischöflichen Ordinariat in Passau und den einzelnen Missionaren. Die Missionare mussten dem Dechant Giovanelli zweimal im Monat über ihre Tätigkeit ausführlich berichten und gab dann diese Berichte in zusammengefaßter Form an den Religons-Consessus in Linz und an das Bischöfliche Ordinariat in Passau weiter.

Liste der Transmigranten der Pfarre Gunskirchen. Susanna Stichlberger, 22 Jahre, Magd beim Hainzlbauern zu Kappling 2, Tochter aus 1. Ehe von Wolfgang Mayr, Häusler in Aichhuebsölden, Oberndorf 7, Gunskirchen, sowie ihr Bruder, Simon Stichlberger, Sohn aus 1. Ehe, 20 Jahre alt. Erbler Maria. Paul Holzinger mit seiner Frau Martha und 4 Kindern zwischen 2 und 12 Jahren. Der Bauer vom Uberlgut in Niederschachen 1, 53 Jahre alt. Schneider Michael Huebmer mit seiner Frau Maria und Sohn Wolf 16, Catharina Tochter 14, Maria 11 Jahre, wohnhaft gewesen im Schneiderhaus zu Purgstall, Oberndorf 9. Ehepaar Pabst vom Hirschmanngut am Berg, Joseph Pihringer vom Lebengut in Au bei Sierfling 3. Ehepaar Thomas und Eva Purgstaller, Jaglgütl in Lucken 8, Simon Silberhueber, Witwer und Bauer des Hochhausergütls, Au bei der Traun. Wolf und Regina Sturmbmayr vom Reindlgütl in Lucken 5 mit ihren 4 Töchtern. Martin Wisbauer vom Mäxlguetl in Baumgarting 5

Ein Temeswarer Wasserschub war eine organisierte Umsiedlung innerhalb der Habsburgermonarchie. Unter Maria Theresia wurden vor allem Personen, die nicht unmittelbar der Gerichtsbarkeit zugeführt werden konnten, darunter Landstreicher, Prostituierte, Wilderer, Schmuggler oder aufsässige Bauern mit Schiffen donauabwärts gebracht und im Banat angesiedelt, eine historische Region in Mitteleuropa, die heute in den Staaten Rumänien, Serbien und Ungarn liegt. Der erste Transmigrantentransport ging am 29. Juni 1734 von Goisern im Salzkammergut ab. 3.960 Personen wurden nachweisbar aus ihrer Heimat nach Siebenbürgen verschleppt. Zwischen 1744 und 1768 wurde je ein Transport im Frühjahr und Herbst durchgeführt und dabei insgesamt 3.130 Personen nach Temesvár deportiert. Diese stammten hauptsächlich aus dem Landl, d. h. den Gebieten um Gmunden, Laakirchen, Vöcklabruck (was zum Namen Landler führte) sowie aus Innerösterreich, d. h. aus Stadl an der Mur, aus Kärnten und der Weststeiermark nach Siebenbürgen.

Ihro kayserl. Majestät, Maria Theresia, haben zu Absonderung dieser Leute das Fürstentum Siebenbürgen aus der Ursach bestimmt, weil selbst zur Abschneidung der Korrespondenz am weitesten entlegen, an der Population Mangel leidet […] Schreiben der Siebenbürgischen Hofkanzlei vom 1. August 1753.

Der Pfarrer zu Felling sei nach Lambach gekommen und habe dem Prälaten berichtet, dass der Krödlinger zu Pfäffendorf eine von der Würtinger Schlosskapelle nach Bachmanning geführte Jubilo-Prozession mit gewaltiger Angreifung der beiden Fahnenträger attakieret und das Volk vom weiteren Fortgang habe ungestüm verhindern wollen. Er, Meingassner, habe vom Hofrichter den Befehl erhalten, den Krödlinger aufzusuchen und zu verwahren. Er habe Krödlinger nicht in seinem Haus angetroffen, sondern auf der gegenüberliegenden Eizenbergerstetten, wo er mit altem und jungen Volk schreiend von Glaubenssachen redete. Kaum habe der Krödlinger den auf ihn zugehenden Meingassner erblickt, sei er mit einem gespitzten großen Stecken in aller Geschwindigkeit auf ihn zu. Meingassner habe ihn abgewehrt, dann sei der rasende Krödlinger mit Hilfe des Dienerknechts ernsthaft ergriffen, zu Boden gebracht und an Händen und Füßen geschlossen auf einen Wagen gelegt und nach Lambach ins Gerichtsdienerhaus geliefert worden. In dieser Verwahrung, einem sauberen lichten Zimmer, habe sich Krödlinger drei Wochen lang befunden. Als Meingassner Krödlinger nachts besuchte, um die Eisen zu visitieren, habe ihm Krödlinger den gewöhnlichen Nacht-Söchter das erste Mal so grimmig auf den Kopf geschlagen, dass er sehr würflig und dumb geworden und das andere Mal mitten auf sein einziges gutes Auge, dass er in moment Kollschwarz und hinach wie tägblau ausgesehen, mithin schwere Empflindlichkeiten und Gefahren erlitten habe. Krödlinger habe bisher keinen Streich bekommen, obwohl er wegen seiner im Arrest ausgestoßenen Drohungen, dass er den Herrn Pfarrer von Offenhausen umbringen wolle, eine billiche Zichtigung verdienet hette. Nun sei er aber wegen dieses gefährlichen Schlags mit einem Ochsenziemer ergiebig gebritscht worden. Der Krödlinger sei dann immerhin mehrers zu seinem Verstandt gekommen, man habe ihn auf bewegliches Bitten seines Weibs nach Haus gelassen, auf stetes Anhalten der Geistlichkeit aber in einem besonderen Zimmer mit Anschlagung der Fußeisen bewahrt und durch einen Soldaten bewacht. Meingassner habe öfters nachgesehen. Krödlinger sei übrigens auch mit Aderlassen und anderen Adhibierungen so versorgt worden, dass er von seiner Raserey sich villerwegens erlediget bewiesen. Er sei nach bald darauf eingeloffener Translocierungsverordnung mit seinem Anhang nach Lambach in vorige Verwahrung gesetzet und nach zwei Tagen nach Linz abgeführet worden.

Am 14. Juni erklärte sich Krödlinger im Pfarrhof für evangelisch. Am 22. Juni wurde er von 2 Schergen abgeholt, mit deren beygehabten großen Eysen und Ketten aus aller Macht geschlagen, an Händen und Füessen gebundener auf einen Wagen geworffen und in das Schergenhaus yberbracht, dortselbsten aber so gebundener nidergeworffen, das ihme das Blueth zu Nasen und Maul herausranne. Er wurde noch durch zwey täg krumb mit einer einzigen ledigen Hand darnider zur erden geschlossen, mit einem ochsen fisl elendiglich gebritscht und, nachdem man ihm die andere ledige Hand gebunden hatte, acht ganzer täg in solchem Zustand gelassen, nachhin auf wehmütiges bitten und anlangen des weibs nacher haus gebracht und an die wand angeschlossen. In seiner Rechtferigung erklärte der Hofrichter, die mit Mathias Kiner gebrauchte ernsthaffte Verfahrung sei ein pures nothwendiges Mittl“ gewesen, die in eysen und banden schlagung erfolgte keineswegs wegen seiner Irrglaubigen Erklärung, sondern für wegen der ex rancore in sanctam religionem nostram gewaltthättig angegriffenen und öffentlich violirten dazumhalen im Monath Juny zu boden werffung aber wegen seiner it dem gespizten steckhen intendirte iedoch noch zum glickh außparirte massacrirung des landgerichts dieners Sebastian Meingassner. Auch die Niederschliessung mit einer hand die erfolgte Züchtigung, auch die Anschliessung an die wand in seinem aigenen Haus wegen gemeinsamber Sicherheit bis zur Vollendung deren adhibirten Aderläss Curen und geblüts Abzöpfung seien unumbgänglich erforderlich gewesen.

Dieser Brief wurde in Siebenbürgen von den Behörden abgefangen und kam später zu den Transmigranten-Akten ins Hermannstädter Staatsarchiv. Schon am 30. Juli wurde der Transmigrantensohn, wie er es im zitierten Brief befürchtet, zu den Soldaten gepresst. Keine drei Monate später, am 9. Oktober 1735, führte man die Mutter und die beiden Schwestern Maria, 37-jährig und Sara, 33-jährig aufs Schiff und in die Verbannung nach Siebenbürgen. Als Joseph am 31. Januar 1736 aus Szegedin in Ungarn erneut an die Seinen schrieb, wusste er wohl, dass man die Mutter samt Schwestern auch verschleppt hatte. Doch vom Tode seines Vaters und der beiden Brüder in Heltau hatte er noch nicht erfahren: „Herz vielgeliebte Eltern und Geschwister, ich kann nicht unterlassen Euch noch einmal zu schreiben und schreibe jetzt zum dritten mal von hier aus der Stadt Szegedin und einmal habe ich auf der Reise geschrieben, das ist 4 mal. Ich habe aber von Euch noch niemals keine Antwort erhalten […] ich berichte Euch, das wir alle 15 seien gewaltvöllig zu den Soldaten übergeben worden, und ist kein anderes Mittel mehr, es sey denn, daß wir außkauft würden, oder ein anderer Mann für uns stellen könten […] Zu Linz [unter Arrest im Wasserturm] sein wir 4 Wochen gewesen, hernach seyn wir mit 200 Neugeworbenen Soldaten nach Ungarn abgeschifft worden […] in die Stadt Szegedin und sein nun bei 4 1/2 Monats hier. Die andere Zeit haben wir mit Reisen zugebracht […] Was mich aber anbelangt, berichte ich Euch, das ich an leiblicher Nahrung kein Mangel habe. Hier ist alles wohlfeil und kann hier selber kochen was ich will und meine Verrichtung ist Schildwacht stehen und ziehen fast alle Zeit über 24 Stunden auf die Wacht. Was mich aber gesundheit halber anbelangt, steht ess mit mir fast alss wie zu Hause. Die Husten hat zwar etwas nachgelassen aber der Kopfweh kommt mich zu Weilen an, und bin schon 2 mal im Spital gewesen und allemal 4 Tage darinnen gewest […] Der Schwester Sara befehle ich, das sie das Lesen fleisig lerne […] möchte gern wissen […] wie es um meine Brüder steht und wie es Ihnen in dieser Zeit ergangen und wann unser Vater noch bei Leben ist […] Ich habe gehört, das wir auf den Frühling sollten ins Wälschland marschieren, aber das Auskaufen könnte vielleicht mit hin und wieder schreiben geschehen durch die keyserlichen Ämter. Josef Deibler Muschgatier vom gilty Regiment bey Hasslauer Gumpeneier in der Szegedin in der neuen Käessärn. Dieser Brief zu komme meinem lieben Vater Thomä Deibler aus Ober-Österreich abgereist, Emigrant in Siebenbürgen zu Hermannstadt in Neppendorf.

„Der strenge Herr, der Pfleger zu Ischel […] hat uns arrestierlich nach Linz gebracht. All dort wir 8 Tage in Arrest gelegen, als wir auf das Rathaus kamen, wurden wir gefragt alle zusammen. Was wir mit singen und lesen verbrachten, das bringt uns zu den Soldaten. Zu den Soldaten brachten sie uns hin […] Wir haben auch gar kein Handgeld genommen […] mit Hunger wollten sie uns bezwingen […] die Mondtur ward uns mit Gewalt genommen […] Unsre Kleider haben sie den Juden zu kaufen gegeben […] hernach als wir in das Ungarland kammen, da war es auch nicht leicht hergegangen. Wir mussten viel lernen und exerzieren und sollten uns richten ins Feld zu marschieren und hiermit liebe Mutter und Schwestern mein und so viele Euer noch bey Leben seyn […] Der Vater und Brüder seyn schon in der Ruh, Gott helf uns auch gnädig dazu. Er verleih uns ein glückseelig End und nehm unsere Seelen in seine Händ.

Hanns Pauer, 35 Jahre alt, auf dem Ganglguth zu Sicking, mit Weib Eva und deren Kind Johann Georg, 9 Jahre alt, Herrschaft Puchheim,Pfarre Regau, Transmigration 3. Transport, 10. September 1752, Hans Pauer aus Buchheim auf dem Gaengelgut

Schreiben an Herrn Adam Paur in Vöklabruck, Pfarrergrüss. Ich Hanss Baur Gaengl zu Sicking lasse meine Geschwistert alle drey zum schönsten griessen, auch den Kriecher zu Schalchham auch den Hubner zu Wangham und sein Weib. Ich mache Euch zu wissen, dass mir jetzt und in guter Gesundheit seyn, Gott sey dank. Ich, mein Weib, auch das Kind und bitten Euch, ihr möcht von der Güte seyn und möcht mir auf das Kind sechen, das ihr unter Euren Händen habt, denn Ich bin inner worden, es solt mit ihm gar übel zugegangen seyn im Oberhaus. Ich hab gehört, dass das nicht unter der Bank das Kind gelitten haben, sondern hat unter das Tach hinauf müssen, das macht uns viell Herzensleidt und Bekümerniss, aber wir hoffen mit der Hilfe des Allmächtigen Gottes, mir werden widerrumb zusamben kommen, wann uns Gott das Leben verleichet in unserem Latter Landt, hiermit seindts zum schönsten gebetten von wegen des Kind und Gott behielt euch in gütter Gesundheit. Hiermit seys dryen Hanns Baur, Mathias Enser, Wolf Paumgartinger zum schönsten von uns gepriest und bitten Euch um eine Antwort, wie es in unseren Vatterland zugehe und wann ihr uns schreiben thuet, so schreibt auf die Überschrift, dieser Brieff zukomme dem Ehrsamen Joseph Peer in Neppendorff nebst Hermanstadt, Wien a Hermanstadt.

Schreiben Maria Theresias an Praes und Raete der Repraesentation und Kammer des Erzherzogtums Oesterreich ob der Enns. Als einer der gefaehrlichsten Konventikulanten und Raedelsfuehrer, welcher schon zur Zeit der vom Landesfuerstl. Kommissar von Doblhof vorgenommenen Local-Untersuchung Verdacht auf sich geladen hatte, wird laut Bericht des Pater Missionarius von Regau der sogenannte “Gaengelbauer zu Sicking” angegeben. Es wird befohlen unter anderen auch den Gaengelbauer sind in Erfahrung zu bringen (Verhoer wird befohlen) und als freventliche Uebertreter des Verbots unnachsichtlich zu bestrafen. Beilage 1: extract um aber dergleichen Leuth, so in 6 puncto begriffen individualiter anzuzeigen und solche als Verfuehrer zu annotieren Hanss Baur zu Sickhing auf dem gaengl guth, sogenannter Gaenglbauer, Hsch. Puchheim wurde von den anderen Leuten als “ihr verfuehrerisches Haupt” bezeichnet. Der Mesner von Regau berichtete, der Gaenglbauer haette am Palmsonntag in einer lutherischen Zusammenkunft eine lutherische Predigt gehalten. Dem P. Missionario in Sickhing P. Stephano hat er sich widersetzt, und seiner Christenlehr und gruendl. Beweistum mit boshafter Verstockung widersprochen. Er hat solchen Einfluss auf seine Nachbarn, dass er “ein Rechter Seductor kann genennet werden” Waere er gleich anfangs zur Emigration angehalten worden, “die mehriste vom Dorf Sickhing wuerden zurueckgekehret seyn.”

18. Jänner 1753. Wierttinger Ambt Inventarium, nachdem Hanns Baur zu Sicking, Pf. Regau nebst Eva, seiner Hauswirtin als der Irrlehr verstrickte Anhaenger […] nach Ungarn abgeschickt worden. Erben seyn die Kinder Hanns Georg 8 1/2 Jahre und Sabina 5 Jahre alt. Das Leibl= oder halbe Stuexlguetl zu Sicking hat man nicht hoeher zum Verkauf bringen koennen als 260 f. Fahrnisse 140 f, Schulden herein 12 f, Summe des Vermoegen 412 f, Schulden hinaus 469 f. Schulden uebersteigen das Vermoegen um 57 f . Crida. Das Gut wurde um 260 f Hannss Moessl und seiner Ehefrau Sabina verkauft, der seine bisher innegehabte Behausung “Sonnleuthen” dem Mathias Neckenbergen und seiner versprochenen Braut Rosina um 200 f verkauft hat.

In einem Schreiben vom 1. Dezember 1752 bat Giovanelli den Hofrichter, ihn vom Befehl des Religions-Consessus bezüglich der „arrestierung ainiger lutherischer baurn“ und des Verbotes der „Rockhenraissen“ zu unterrichten. Bei diesen wechselnden Zusammenkünften an Winterabenden in verschiedenen Bauernhäusern wurde von Frauen und Mädchen mit Spinnrad, Rockenständer und Garnhaspel fleißig gearbeitet. Männer und Burschen sorgen für Unterhaltung und Kurzweil. Da diese Zusammenkünfte immer häufiger als Tarnung zur Unterweisung in der Lehre Luthers und zum Absingen protestantischer Kirchenlieder dienten, wurden sie verboten.

Dem Schreiben vom 4. März 1753 legte Giovanelli ein „Attestatum“ über Martin Wisbaur auf dem Mäxlgütl zu Baumgarting, einem Bruder des „Gasperls“ in Wallnstorf, bei und bat, „dissen Verstockhten Irrglaubigen in der Lista deren transportandorum anzuschreiben, damit selber mit dem ersten transport abgeschickt werde“. Martin Wisbaur entzog sich der Verhaftung durch Flucht nach Ortenburg.

Pfarrer Giovanelli starb am 2. Juli 1770 im 72. Lebensjahr. Die Inschrift auf seinem Grabstein auf dem Stadtpfarrhof besagt: „Dilectus Deo et hominibus“ (beliebt bei Gott und den Menschen)

hans

der hans des woar a brutaler. der hod sei eigane frau gschlogn. hod se obegrennt üba de stiagn a. de hod si moi den oarm brochn. hod as üba de köllastiagn obegrennt. und don hod er hoid den dokta oagruafn den engl. den hobn mia ghobt ois hausoarzt und won ma vom Hans irgendwos oangfongan hobn don woar er nimma trawig don is los gongan. er hod jo sochan. wie de vom Hans Frau gstorbn is hod er recht lamentiert hob i eam a fotzn eineghaut hod er gsogt wei ears gwusst hod wie er sie behondlt hod. und don hod er amoi. hod söba ka telefon ghobt und darnoch is ear zum nochboarn gongan. eam gehts so schlecht sofort muass der dokta kemman. ned. und des woar im frühjoar a sauweda hods ghobt und wia da engl aussafoart zum hans wer begegnet eam. der hans mit de gummistüfn. na der woar oarg. ganz oarg. bestöhd den dokta er muass sofort kuman. war er noch goispoch gongan mit de gummistüfln. ned. bei dem gresstn sauwetta. üba den alloa konnst a buach schreibn. der hod jo doch und er woar jo donn scho ziemlich verwirrt. do hobns de loacka do voarm haus. wast eh. homs so a loacka ghobt do hoad er di gonzn hundata einegschmissn des göd hod er einegschmissn und don is er nu noche und hods wieda gfongt. hochmusikalisch woar er. kapömasta von da eisnbohnamusik. sei muata hod zerst imma obegehn miassn. wie er don aloa gwesn is sogd schwiegamuata na sie geht wieda zum hans. ned. und wias don di letzte zeit nimma so guat gwesn is auf di fiass. i fiar di eh oawe. ned. und olle wochn is sie don oawegfoarn zum hans noch fornwoid. i fiar di eh oawe. na i geh eh. bis i amoi gsogt hob des geht jetzt ned wei des is afoch zweit. noa fiarst mi hoid oawe. don hob i sie oba nur bis zua strossn wo ma vom weg aussefoart. durt is ausgstiegn. na zuwefoarn brauchst ned. hob ni mitfoarn dearfn. zuwefoarn derfst ned. don is zuwe gongan. des is oba a stück oawe. und oamoi hods gsogt zu mia. du da hans mecht di segn. woanst mi oawefiarst du soist a mitgehn. i hob ka so guats vahöitnis zu meina schwiegamuata ghobt obwoi is eh pflegt hob und ois. und don samma oawe und i bin einegongan und da hans sogt zu mia. goi du host jo so a brave schwiegamuata. zu mia. sog i jo du kennst as eh. des vagiss i ned. da hans. den gonzn mogn aussegnuman und do hobn die ärzte gsogt no jo a hoibs joar gebns eam nu. und do hod er glaub i nu zehn joar glebt. des hod eh dei schwiegamuata öftas gsogt. hods earm an schnops mitgnumman. zwa flascherl schnops. hod er gsogt des muass eingnumman werdn. mit ochzg joar ummanond. weils gsogt hobn der kon ned long lebn. a hoffnungslosa foi hod kan mogn. oba der hod an eisern wüln ghobt. des wos er tuat des ziagt er a durch.

Die Ikari der Stari Most

Hoch oben im Turmcafe des alten Wachturms, sitzt er und lässt seinen Blick von den engen Gassen geduckter Steinhäuser des kroatischen Westteils hin zur alten Brücke, der Stari Most schweifen. Herz und Symbol von Mostar. Vor ihm ein Glas türkischen Kaffees, den er in den letzten Wochen zu schätzen gelernt hat. Er blickt hinunter auf die in der Sonne glänzenden nassen Körper der jungen Männer, der Brückenspringer.  Anfangs da sprangen sie noch, um so manchem Mädchen ihren Mut zu beweisen, ihnen einen Belohnungskuss abzuringen oder gemeinsam träumend am Flussufer zu sitzen, wenn die Sonne sich ein letztes Mal dunkelrot in der Neretva spiegelt, um die Kühle des Abends zu genießen. Nicht immer war es Liebe, die junge Männer todesmutig in die Tiefe springen ließ. Schon vor hundert Jahren saßen wohlbetuchte Leute in dem kleinen Turmcafe über der Brücke und warfen ihnen Goldmünzen aus Fenstern zu, die sie mit ihren Mützen fingen. Dann erst stiegen die jungen Männer auf die steinerne Brüstung, breiteten ihre Arme aus theatralisch und erhaben und warteten. Stille. Innehalten. Die Welt um einen herum vergessen. Abschalten. Dann, ein Schritt nach vorn, ein Schritt ins Nichts. Vier, fünf Sekunden lang der Fall in die Tiefe, bevor ihr Körper ins dunkle Nass der Neretva eintaucht. 25 Meter von der Brüstung der alten Brücke bis ins türkisgrüne eiskalte Wasser. Kein Springen, kein Fallen, sie fliegen, die Ikari der Stari Most.

Ein Stelenmeer des Unaussprechlichen

Auf Gräbern spielte ich als Kind, ließ Knochen zerschellen zu Pulverregen, blickte manchem Totenschädel in leere Augenhöhlen tief hinein ohne Angst, ohne Scheu, ohne Widerstreben. Waren sie es doch, die mir ein Lächeln schenkten, in grauer elterlicher Welt. Sie waren da, wenn ich sie brauchte, hörten zu mir, manchmal stundenlang. Gefürchtet hatte ich die Lebenden und nicht die Toten. Treue Freunde sie mir geworden sind und mein Geheimnis und meine Flucht vor dem Feuerregen mütterlichem Hasses. Die Kraft ihrer gewesenen Tage mit der Weisheit von eintausend Jahren tränkt meine Seele mit der Zuversicht, es doch noch irgendwie zu schaffen, in einer Welt aus Tränen, die wie Glassplitter zerborstener Träume am Boden jäh zerspringen. Die Zeit meiner Täuschung ist vorbei. Ich verlasse nun die Gräber, die nur mehr bleiche Knochen tragen. Umringt von Gestaltlosen, berührt, gestreichelt mein Gesicht, geführt. Bilder aus fernvergangener Zeit erwachsen in der Dunkelheit meiner geschlossenen Augen. Ein Sternenschweif von Äonen, tanzende Erinnerung im kosmischen Schein. In ihren Gesichtern erkenne ich meinen eigenen Schatten. Tote Münder erzählen Geschichten, Worte der Wahrheit finden in mir Widerhall. Bis an den Horizont das Stelenmeer, still schreit es das Unaussprechliche. Die Stelen der Zeit begrabener Väter in verwittertem Stein der Unendlichkeit gekleidet. Fingerzeig einer Vergangenheit, die mich umschleicht, mit kleinen Schritten stille Namen ruft. Schätze vergessen in den Tiefen meines Innersten, verborgen vor Blicken unreifer Seelen, noch nicht erblüht genug, um die Wahrheit selbst zu schauen. Eine Landschaft namenloser Menschengesichter zerpflügt durch Krankheit, Krieg und Tod. Überall sah ich sie, umringt ich war im Ahnenangedenken, entrissen aus sprachlosem Vergessen, dankbar und am Leben. Ich umschlich die Stelen, schabte Moose ab und Flechten, laß die Runenzeichen in Botschaften, die zu mir sprachen: Geschichten von Leid und Liebe, Brüderlichkeit und zuviel Hass, von Läuterung, der Verdammnis der Hölle und von Pfaffenspott. Geheimnisse verborgen in Jahrhunderten offenbarten sich, zerschlugen das Schweigen der Schuldigen, ein Weltgericht der Toten aus Gräbern erhoben, ihr Fluch ereilt die Lebenden und ihre Taten. Ich spüre den Hauch von Göttinnen.

Die Welle

Die Krone einer ungeheuren Welle zeitloser Traumzeit hob mich auf und lud mich zu einem Ritt hoch oben auf dem Wellenkamm einer zartsinnigen Welt inneren Seins. Gischtend brach sie unter stürzendem Getose, ich fiel und gab mich hin der tosenden Gewalt ihrer Geströme, umhergewirbelt, eingetaucht und hineingesogen in die schäumende Unermesslichkeit ihrer unbändigen Natur. Dann erst gab sie mich frei, ergoss sich mit mir über den Strand, meine nackten Füsse versinken im Sand, umspült und liebkost die Erkenntnis einer ewigen Offenbarung: frei zu sein als Mensch. Als ob die Schwerkraft sich verloren hätte, schwerelos im zeitlosen Augenblick reinen Seins— gedankenlos schwebend— losgelöst und mit verklärtem Blick einer stürmisch brausend ruhigen See die Unendlichkeit schauend. Grenzenlos verschmelze ich im Horizont der Liebe, koste das Wunder meiner Glückseligkeit am Ende einer langen Reise, fernab, allüberall und nirgendwo. Nichts gibt es mehr das mich nun halten kann.

Heilbuch der Frauwen meiner Familie

Bei Körperwürmern empfehl ich dir Erde, die zuvor du erhitzt hast, zu essen.

Bei Halsschmerzen sollst du mit dem eigenen Urin gurgeln.

Ein mit Farn ausgelegtes Bett zieht aus dem Körper Gicht und Ischias und heilt Albschoss.

Für die Alten, die ihr Wasser nur schwer verhalten können, hilft ein Maisbarttee. Der Woazbart wird gepflückt, getrocknet und mach daraus einen Tee.

Bei Röhrenschindsucht röste Maiskörner sowie Kaffee und binde sie dann mit einem Tuch um den Hals.

Gegen Hämorrhoiden hilft heilend eine Maiskolbenkur. Die Maiskolben musst du zu allererst ogriffeln und sie dann solange in die Herdglut legen bis sie anfangen zu glühen. Danach kommen sie sofort in einen Kübel, auf den sich der Kranke mit Hämorrhoiden setzt, sodass die heißen Dämpfe auf das Hinterteil treffen. Diese rate ich dir über drei Tage lang zu tun.

Gib schwarze Nacktschnecken in eine Schachtel und Salz streu darüber. Im Misthaufen vergrab es vier Wochen bis die Schneck sind aufgelöst. Den Brei den schmier dann auf die Warzen und sieh wie sie verschwinden.

Hält man Rote Nachtschnecken in einem großen Glas zwei Tage zum Ausmisten und gibt man dann gleich viel Zucker dazu, in dem sich die Schnecken auflösen und zur Geschmacksverbesserung wird noch ein Teil Cognac zugesetzt: man trinkt davon bei Magenleiden und Magenkrebs.

Rote Waldameisen werden in Schnaps angesetzt: 1/3 Ameisen, 2/3 Schnaps ziehen lassen und abseihen. Diese Ameisentinktur wird als Einreibung bei Rheuma und Kreuzschmerzen verwendet.

Hüttrach dient um die Manneskraft der Bauern und Knechte zu stärken und als Kraftspender für Pferde. Zuerst darf man daran nur lecken, nach einer Woche ein Bröserl essen und erst später eine geringe Dosis einnehmen. Dann hält die Manneskraft stundenlang an.

Kannst du Kohlöl dir besorgen so sei es kostbar dir denn gar viel Schmerz es dir wird lindern. Bei Halsschmerzen nimm es mit dem Löffel ein. Bei Rheuma und Gicht reib es dort wo der Schmerz dich drückt. Hast du einen verkrüppelt Finger oder gar fuß, Kohlöl biegt ihn dir gerade.

Gegen Fieber gib drei Radel Kren, drei Radel Kalberzwurzen und drei Wipfel Wermut in ein Seitel Wein, alles einen Tag und eine Nacht stehen lassen und bei Fieber trinken. Auch Gilliwurz, Kranabetbeeren und Sinkpech auf den Nabel aufgelegt vertreibt das Fieber rasch. Ist die Hitz groß im Kopf leg auf die Sohlen der Füß Krendampfl, auch auf Waden und Genick. Hilft nichts gegen das beständig Fieber so mach dir einen Ziegel glühend und gieß Essig darüber und leg ihn auf die Fußsohlen, auf die Brust kommt warmes Haarwerg, das zieht das Fieber gleich hinaus.

Gegen die Gallsucht nimm Gänsekot, ein halbes Quintel; in Wein eingenommen und dies öfters

Gegen die Gicht nimm Hasenfetten und schmier dich damit warm. Oder tue Regenwürmer in ein Glas, verbinde es mit Leder. Es muss elf Tage in einem Ameisenhaufen, so wird Öl daraus, damit salbe den Nabel.

Leidest du an Lendenweh dann such dir tannenes Pech, ein weiches, dies muss neunmal gewaschen werden, auf einen Fetzen streichen und auflegen.

Bei verwundeten oder abgehauenen Flachsadern brenne Erdwürmer zu Pulver, vermische mit Honig und schmiere dich damit.

Um Gift aus den Pestilenzbeulen zu ziehen verrühr Hühnermist mit Eierklar zu einem Pflaster und lege es warm auf.

Beißt dich ein giftig Tier oder bekommst du einen Stich leg alsbald Saukot in Essig gesotten warm über.

Hast du den Wurm so nimm Honig, Asank, Scherbenglas, Katzenhaar, Blutsein, Knoblauch, Kuhkot, Bernkraut und mache es zu einer Salbe.

Für schmerzhafte Glieder ist es gut lebendige Regenwürmer darauf zu binden und darob sterben zu lassen und alsdann leg gequetschte Brennessel mit Branntwein angefeuchtet darüber.

Für den Leibschaden richt Multwürmer an bis sie ganz zergehen und mit dem Schmalz schmier den Schaden an und mit einem Bruchband recht fest binden und drei oder vier Tage mit Ruhe sein, so ist es in acht Tagen geheilt.

Wenn einer eine Laus im Magen hat, so soll er nichts als gebratene Rüben essen.

Wenn auf einem Auge schon eine Blatter ist, da tut man entweder Zucker, blaues Glitzelwasser oder Alkaterschmalz hinein.

Augenwasserrezept: Nimmt man, wenn der erste Regen im Mai fällt, also wachsen auf dem Kranewittholz Schwämme, da soll man die Schwämme nehmen und in ein Glas hineintun und an die Sonne stellen und destillieren lassen und dann ein weißes Tücherl nehmen und vor Sonnenaufgang im Habertau herumziehen, dass es recht nass wird, und hernach das Wasser in ein Glas ballen und ein wenig Goffer dazu.

Gegen Katarrh rat ich dir das folgende: Kannst du einer Rübe bei der Mitte ein Loch ausschneiden, einen Honig hineintun, die Rübe braten und zwischen Tellern ausdrücken und den Saft öfters nehmen. Auch kannst du eine Zwiebel braten und im Schmalz rösten und einen darein und morgens und abends davon nehmen.

Bei Fraisen ist es gut drei Tropfen Terpentinöl in ein Löffel Wasser zu geben.

Ein Mittel gegen die Wassersucht: einen Waldhasen kochen und Meerzwiebel hineinschneiden und durcheinander kochen und diese Suppe trinken.

Hast du Hühneraugen hör mir zu: Nimmt man ein Nachtgeschirr und brunzt hinein und lässt es drei Tage stehen. Hernach wird am Boden ein Stein wachsen. Man nimmt den Stein und legt ihn auf das Hühnerauge.