Alle zwanzig Minuten dreht der private Wachdienst seine Runde. Zwei Männer, beide um die dreißig, beide Schnauzbartträger. Sie bleiben stehen.

“He, Oider, aufwachen!” Seine Stimme hallt durch die leere Wartehalle. “G’schlafn wird do ned. Schlafn kannst wo anders.”

Der Wachmann deutet auf die leere Weinflasche am Boden. “B’soffn is a, blunzenfett, den krieg’ ma ned so schnell wach”.

“He, woch’ auf!”, wiederholt der andere.

Er trägt schwarze Handschuhe und beginnt den Obdachlosen an der Schulter zu rütteln. Seine Augen öffnen sich langsam.

“Du wast ganz genau dass Schlofn’ am Bahnhof ned erlaubt is. Und saufn a ned! Also schleich di oder wir hol’n die Funkstreif.”

Schwerfällig und ohne ein Wort zu sagen, erhebt sich der Mann, nimmt sein Plastiksackerl und fängt an, langsam davon zu schlurfen. “Vergiss deinen Suff ned, Oider. Wegramman tu i deinen Dreck ned”.

Der Obdachlose bleibt stehen, dreht sich um, bückt sich und entschwindet mit dem Doppler in der Hand im kalten Neonlicht der Wartehalle.

Die Wachmänner setzen ihren Kontrollgang fort. Sie passieren mich wortlos. Ich friere im T-Shirt unter meiner alten, abgewetzten Lederjacke. Noch ein paar Stunden, dann ist es Tag. Ich warte auf den Zug, der ohne mich abfahren wird.

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