Himmel

Der Himmel das war die K├╝che meiner Gro├čmutter. Der einzige Ort, an dem das Kind sicher war und wohin es fl├╝chtete, wenn Sturmwolken aufzogen im Haus nebenan, im Haus der Eltern. Der Himmel das waren die Semmelkn├Âdel, die ihre, von Altersflecken ├╝bers├Ąhten H├Ąnde und von der Gicht gekr├╝mmten Fingern, zu k├Âstlich flauschigen B├Ąllen rollten, die noch dampfend hei├č und in Pilzso├če getunkt, gierig im Mund des hungrigen Kindes verschwanden. Himmel, das war der einzige Fleck in der ganzen Stadt, eine K├╝che, in der das Kind sich sicher f├╝hlte und von gro├čelterlicher Liebe umgeben, nachmittags f├╝r ein paar Stunden gl├╝cklich sein durfte. Himmel, das war f├╝r das Kind vor allem Gro├čmutter: hochgewachsen, halbblind, mit kleinen schlauen grauen Augen hinter dicken Brillengl├Ąsern verborgen, lie├č sich von nichts und niemandem davon abhalten, dem Kind die Liebe und Geborgenheit zu geben, die ihm seine leibliche Mutter nicht schenken konnte und wegen ihrer strikten Erziehungsmethoden nicht geben wollte. Ein Konflikt, aus dem ein jahrzehntelanger Krieg zwischen Gro├čmutter und Mutter erwuchs und dem Kind, nebst t├Ąglichen Kr├Ąnkungen, Bestrafungen und oft tagelangem Todschweigen im Elternhaus, weiteren emotionalen Schaden zuf├╝gte, der dann bereits im heranwachsenden Jugendlichen, eine Posttraumatische Belastungsst├Ârung hervorrief, die ihn zu einem Leben im Exil, einer Flucht vor sich selbst und zu einer dunklen abgrundtiefen Einsamkeit verfluchte, die er als heimatloser Gehetzter st├Ąndig in sich trug.

Author: freakingcat
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2 thoughts on “Himmel

  1. Wirklich wunderbar formulierter WUNDERSCH├ľNER Text
    den ich zutiefst nachf├╝hlen kann,
    da auch ich eine so innige Beziehung zu meiner Gro├čmutter hatte
    und bei ihr all das fand, was ich bei meiner Mutter immer vermisste….
    Ich f├╝hlte und f├╝hle bis heute deutlich, wie ich bei der Gro├čmutter
    ein ganz anderer Mensch war……
    So ist der Mensch, und ganz besonders ein Kind, wohl immer
    ein Selbst UND ein Echo seines Gegen├╝ber….
    Man kann sich das nicht oft genug bewusst machen…….
    Vor├Âsterliche Gr├╝├če !
    DO

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