Reisejournal: Die Stadt der Toten

In Recoleta bauten sie den Toten prunkvolle HĂ€user, errichteten ihnen eine Stadt mit PlĂ€tzen und gepflasterten Wegen, pflanzten BĂ€ume und Blumen um den Gegangenen in ihrer Unsterblichkeit zu huldigen. Meisterwerke aus gemeisseltem Stein, PalĂ€ste geschmĂŒckt mit Unvergesslichkeit und Engel, die sich auf DĂ€chern niederließen, um unter ihren Schwingen der VergĂ€nglichkeit der Zeit Einhalt zu gebieten. Schmiedeeiserne Tore, die den noch zum Leben verurteilten erlauben, ihre Stirn an die Glasscheiben ihrer Prachtbauten zu drĂŒcken, um sich an der Wahrhaftigkeit der Unsterblichkeit zu ergötzen. Steinerne Abbilder der Gewesten, erhabener als einst im Leben und auf Thronen sitzend, mit erhobenen Schwertern den Göttern zĂŒrnend, BĂŒsten die Mausoleen ihrer eigenen Ewigkeit bewachend. Die Engel von Jericho blasen ihre Fanfaren hoch ĂŒber Pyramiden aus Stein, der Freimaurer der Unendlichkeit.

Hier will auch ich begraben sein und zu meiner letzen Ruhe geleitet werden, nur um fĂŒr alle Zeit umherwandeln zu können unter denen, deren Hingang die ZurĂŒckgebliebenen in Unvergessenheit zelebrieren. Hier will ich schlafen eines Nachts und bei den Unsterblichen ruhen, im Mondschein den Heldensagen der eisernen Soldaten der Gefallenen des Paraguay Krieges lauschen. Tanzen, ja tanzen will ich mit Maria Eva Duarte de Peron auf weißen und schwarzen MarmorgrĂ€bern, zwischen griechischen SĂ€ulen, die dem Pantheon entrissen wurden, bis zum Morgengrauen und dann den Obelisken, den erhabene Kondore krönen, umarmen.

Wie sehr ich doch die Lebenden verachte und nicht die Toten!

Author: freakingcat
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