1934 setzt in Oberösterreich ein noch die dagewesener Bombenterror ein. Die seit 1933 illegalen Nationalsozialisten verschärfen ihre Gangart, versetzen die Bevölkerung in Angst und Schrecken und zwingen den immer diktatorischer agierenden Bundeskanzler Dollfuß harte Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Ein turbulentes Jahr auch im Bezirk Grieskirchen.

Das neue Jahr 1934 beginnt in Grieskirchen mit einem Knall. Am 3. Jänner wird „ein Böller gegen das Haus des Abgeordneten Franz Huber geworfen, wodurch einige Fenster zerschlagen wurden. Ein weiterer Anschlag war gegen den Gendarmerieposten geplant. An die Gartentüre vor dem Postengebäude wurde nämlich ein Sprengkörper gehängt, er konnte jedoch rechtzeitig entfernt werden.“ Die Schärdinger Chronik vermerkt, „ […] das an gewalttätigen Auseinandersetzungen reiche Jahr wurde in Schärding durch zwei Papierbölleranschläge in der Silvesternacht eingeleitet. Der erste Böller explodierte in der Silvesternacht am Stadtplatz und richtete keinen Schaden an.“ Die Alpenländische Morgen Zeitung weiß, dass „am Neujahrstag auf dem Hauptplatz in Schärding ein Papierböller geworfen [wurde], wodurch 52 Fensterscheiben zertrümmert wurden. Die Ladung des Böllers war so stark, daß noch zwanzig Schritte entfernt ein Fenster in Scherben ging. Viele Häuser waren mit Hakenkreuzen und Schmähschriften beschmiert.“

Die seit dem Jahr 1933 für illegal erklärte NSDAP verschärft zum Jahresanfang 1934 ihren Ton und beginnt nicht nur den Bezirk Grieskirchen, sondern auch ganz Österreich mit einer Terrorkampagne zu überziehen, welche die Regierung Dollfuss in Wien das Fürchten lehren und in weiterer Folge zu Fall bringen sollte. Harmlos, wie man aus dem Namen schließen könnte, sind die Papierböller, wie sie von den meist jungen Nazis in Dörfern und Städten zur Explosion gebracht und auf prominente Gegner des Nationalsozialismus geworfen wurden auf keinen Fall. So findet am 16. Jänner „ein Papierbölleranschlag gegen das Landesregierungsgebäude am Pestalozziplatz in Linz und in anderen Teilen Oberösterreichs, u. a. auch gegen die Redaktion der “Rieder Volkszeitung” statt, gefolgt von sieben weiteren Sprengkörpern, die in Linz am 28. Jänner zur Explosion gebracht wurden.

Wie in einem Berufungsprozess vor dem Obersten Gerichtshofe des ersten „Linzer Papierböllerprozesse“ im Juli 1934 festgestellt wird, waren entgegen der Auffassung der Verteidigung der beiden Angeklagten, dem Handelsangestellter Franz Altreiter und dem Hafner Hermann Sellner, die vom Landesgericht wegen Verbrechens gegen das Sprengstoffgesetz zu je 7 Monaten schweren Kerkers verurteilt worden waren, dass „diese Böller […] früher als Feuerwerkskörper im Handel frei erhältlich gewesen und schon daraus gehe hervor, daß sie nicht als „Sprengstoffe“ angesehen werden können“, die Gerichtsgutachter ganz anderer Meinung. Sie stellen fest, dass die Papierböller alles andere als harmlose „Kracher“ darstellen, sondern „ein Gemisch aus Chlorkalium und Aluminiumpulver gefüllte Papierböller [sind], die unter besonders starkem Knall explodieren, nicht nur großen Sachschaden verursachen, sondern auch, insbesondere bei direkter Berührung schwere Körperbeschädigungen hervorrufen können.“ Die Nichtigkeitsbeschwerde wird deshalb vom Obersten Gerichtshof verworfen. In Innsbruck wirde „am 23. Jänner mittags vor die Wohnung der Agnes Junger in Innsbruck ein Papierböller mit brennender Zündschnur gelegt. Der 17jährige Sohn Walter der Wohnungsinhaberin sah den rauchenden Böller, hob ihn auf und wollte ihn in der Küche in ein Wasserschaff werfen, um ihn auf diese Weise unschädlich zu machen. Der Böller explodierte jedoch, bevor ihn der Junger wegwerfen konnte, und riß ihm die rechte Hand beim Handgelenk ab. Außerdem wurde durch die Explosion die Kücheneinrichtung der Wohnung der Agnes Junger vollkommen zertrümmert.“ Am Dienstag, „den 23. Jänner abends krachte vor dem Gebäude der Kaiser-Franz-Josefs- Jubiläumsschule in Linz ein Papierböller. In Altheim explodierte am Donnerstag vor dem Kaufgeschäft Faschang ein Böller, drei Minuten später vor dem Hause des Schmiedemeisters Buchleitner. „Auf dem Kirchturm in Vöcklamarkt wehte am Samstagmorgen eine Hakenkreuzfahne, die wie das Blatt hervorhebt, von Leuten mit Rang und Namen schweigend und mit sympathischem Lächeln begrüßt wurde.“

Gegenmassnahmen des Austrodiktators Dollfuß

Die Regierung reagiert auf die schweren Terroranschläge indem sie nach jedem Anschlag eine bestimmte Anzahl amtlich bekannte Nationalsozialisten verhaften lässt und sie in das Durchzugslager in Wels oder Anhaltelager wie den „Kaisersteinbruch“ oder das Lager „Wöllersdorf“ steckt. Ein bekannter aufstrebender Nazi, der in Ried geborene Dr. Kaltenbrunner wird wegen seiner nationalsozialistischen Einstellung bereits im Januar 1934 von der Dollfuß-Regierung verhaftet und mit anderen führenden Nationalsozialisten in das Konzentrationslager Kaisersteinbruch eingeliefert. Ein von ihm veranlaßter und geführter Hungerstreik zwing die „Systemregierung“, 490 nationalsozialistische Häftlinge zu entlassen.

In neuen Schnellverfahren verurteilen die Gerichte „Pöllerwerfer“ zu immer härteren und längeren Gefängnisstrafen. So werden die zwei Attentäter, die in Bad Hall am 17. Jänner Sprengsätze gezündet hatten, der 20jährige Maurer Franz Pernegger und den 26 Jahre alte Tischlermeister Ludwig Brunmayr zu fünf Jahren und neun Monaten schweren Kerker verurteilt, verschärft durch ein hartes vierteljähriges Lager.

Der Terror geht weiter

Trotz des harten Durchgreifens der österreichischen Regierung und Exekutive explodieren alle paar Tage in Oberösterreich Sprengsätze. „In der Nacht zum 19. Jänner wurden im Stadtgebiet Wels mehrere Papierböller zur Explosion gebracht. Ein Böller explodierte in der Maximilianstrasse vor dem kath. Preßvereinsgebäude, wo die Rollbalken zum Teil eingedrückt und einige Fensterscheiben zertrümmert wurden. In der Umgebung der Stadt sollen, wie verlautet, ebenfalls mehrere Explosionen stattgefunden haben.“ Am selben Abend waren „um etwa 19.45 Uhr […] in der Stadt Linz nacheinander drei Detonationen zu hören. Es stellte sich heraus, daß wiederum Papierböller zur Entzündung gebracht worden waren. Einer explodierte in der Domgasse vor dem Hause des Ordens der Gesellschaft Jesu […], wobei zahlreiche Fensterscheiben zertrümmert wurden, ein zweiter Pöller in der unbeleuchteten Marktstrasse vor der Westfront des Kolosseumgebäudes und zwei Pöller mit gleichzeitiger Detonation in der Harrachstrasse vor dem Gebäude des Priesterseminars der Diözese Linz. Die Linzer Tages-Post stellt beunruhigt fest: „In der Stadt herrscht wegen der fortgesetzten Gefährdung des Lebens und Eigentums der Bewohner durch Anschläge obiger Art begreifliche Aufregung.“

(K)eine Sache zum Lachen

Einer Terrorgruppe aus Marchtrenk wird unter regem Interesse der Öffentlichkeit der Prozess gemacht. Als die acht jungen Burschen, alle gerade mal zwanzig Jahre alt, von vier Justizwachebeamten aus der Haft dem Richter vorgeführt werden, sitzen sie auf der Anklagebank, lachen und kichern fortwährend. Die Anklage wirft den acht Jugendlichen neben Hakenkreuzschmierereien auch Sprengstoffanschläge „beim Bürgermeister Asböck, beim Tischlermeister Kührer und beim Vizebürgermeister Bittermann“ vor. „Weiters wollten sie auch die vaterländische Kundgebung dadurch stören, indem sie in ein Starlhäusl einen Sprengkörper legten, das sie in der Nähe des Kriegerdenkmales auf einen Baum hängten, damit es dort während der Kundgebung explodieren sollte. Weiters haben sie auch Sprengkörper nach Weißkirchen und Nettingsdorf gebracht, damit auch dort Anschläge durchgeführt werden sollten. Außerdem haben sie sich Gewehre verschafft, wovon sie einen Teil aus dem Besitze der christlich-deutschen Turner stahlen und einen Teil durch Kauf an sich brachten. Es wurden aber auch Unterhandlungen gepflogen wegen Ankauf eines Maschinengewehres. Wie niederträchtig sie bei ihren Handlungen vorgingen, beweist die Tatsache, daß sie die Spitzen der Gewehrmunition abfeilten, damit die Wirkung eine größere sein sollte.“

Die Schwere dieser Anklage scheint bei weitem keine Sache zum Lachen zu sein, doch das hindert die jugendlichen Angeklagten nicht während der Befragung dem Gericht schnippische Antworten zu geben. „Dem Angeklagten paßt das Wort „Terrorgruppe“ absolut nicht und so behauptet er, daß ihm diese Bezeichnung bei der Polizei in den Mund gelegt worden ist, obwohl seine Abteilung keine Terrorgruppe war, sondern die SS von Marchtrenk.“ Sie hätten „am 18. Jänner […] so einen Böller auf freiem Felde zur Explosion gebracht, zu Ehren der auf der Durchfahrt nach Wöllersdorf befindlichen Parteigenossen, damit sie auf uns Marchtrenker aufmerksam werden“, geben sie selbstsicher und keck als Rechtfertigung für ihre Sprengstoffanschläge dem Gericht gegenüber an. Auf die abgefeilten Spitzen der Munition angesprochen, gibt ein Angeklagter lässig zurück „Ja ich nahm aber das gar nicht so ernst, weil ich glaubte, daß es eine harmlose Sache ist.“ „Da der junge Mann immerfort lacht, rügt das der Vorsitzende mit ernsten Worten.“ Das Urteil: Sieben Angeklagte werden zu je fünf Jahren schweren Kerkers verurteilt, einer freigesprochen.

Grieskirchner Terroristen

Auch vier Neumarkter „Pöllerwerfern“, Franz D., Walter W., Rudolf H. und Josef F. wird der Prozess gemacht und in einem, von der Sicherheitsdirektion für OÖ erlassenen Bescheid vom 26. Jänner 1934 den Angeklagten vorgeschrieben, Entschädigungszahlungen für Sachbeschädigungen durch Sprengstoffanschläge zu leisten. In der Begründung heißt es: „Am 8.1, 15.1., 16.1., 15.1. 22.1. und 6.1.1934 wurden im Zuge der nationalsozialistischen Terrorpropaganda in Neumarkt in Kallham Papierböller von unbekannten Tätern zur Explosion gebracht.“ Es gingen im Haus des Pfarrers 15 Fensterscheiben zu Bruch, beim Spengler die Auslagenfenster, sowie Schäden am Schulhaus, am Haus des Nationalrates Johann Weidenholzer, weiters 22 kaputte Fensterscheiben im Personalhause der österr. Bundesbahnen. „Die vier [Angeklagten] haben durch ihr Verhalten den fraglichen Anschlag insoferne begünstigt, gefördert und dadurch mittelbar mitverschuldet, als sie aus ihrer nationalsozialistischen Gesinnung auch bis in die letzte Zeit noch kein Hehl machten, sämtliche wegen verbotener Parteitätigkeit bzw. politischer Demonstrationen von der Bezirkshauptmannschaft Grieskirchen im Jahre 1933 bestraft werden mußten und hiedurch wohl wesentlich dazu beigetragen haben, auch noch andere Personen zu verbotenen Parteitätigkeiten und zu Terrorakten zu ermutigen. Die Voraussetzungen für die im Spruch verfügte Ersatzvorschreibung war daher voll gegeben.“

Am 9. Jänner 1934 finden in Grieskirchen zahlreiche Hausdurchsuchungen bei Nationalsozialisten statt unter anderem bei dem bekannten Rechtsanwalt Dr. Hermann R., dem Darmhändler und späteren Grieskirchner Ortsgruppenleiter Josef H., den Gebrüdern die Bäcker W., sowie zahlreichen anderen amtsbekannten Grieskirchner Nazis. Es werden zahlreiche, „die NSDAP betreffende Bücher und Schriften gefunden und einstweilen beschlagnahmt.“ Rechtsanwalt Dr. Hermann R. sowie Darmhändler H. geben gegenüber der Gendarmerie an, dass sie „in Erfahrung brachte[n], daß bereits am 9. Jänner 1934 um 3 Uhr früh, die Gendarmerie diesbezüglich Aufträge erhielt. Die Aufforderung jene Person zu nennen, welche ihm dies mitteilte, beantwortete er dahin, daß er dies selbstverständlich nicht sagen werde.“

„Guat is gegangen, nix is gschehn!“

Johann H., Bäckergehilfe bei Bäckermeister Johann W. aus Grieskirchen, einem bekannten Nationalsozialisten der ersten Stunde und SS-Mann, wird am 22. Jänner 1934 verhaftet und ihm beim Bezirksgericht Grieskirchen der Prozess wegen des Verdachts des Verbrechens nach §9 des Sprengmittelgesetzes gemacht. Er wird „dringend verdächtig von den am 21. Jänner 1934, um ca. 19 Uhr 45 in der Nähe des hiesigen Gendarmeriepostenkommandos verübten Papierbölleranschlages, zu einer Zeit, da die Verhinderung dieses Anschlages noch möglich war, Kenntnis erlangt und es unterlassen zu haben, der Behörde die Anzeige zu erstatten. Nachdem kurz nach dem Pölleranschlag im Gastgarten des Gasthauses des Emil Hubinger […] in unmittelbarer Nähe des Gendarmeriepostens ein Pistolenschuß abgefeuert wurde, wurden sämtliche im Gasthaus anwesend gewesenen Gäste einer Leibesdurchsuchung nach Waffen mit negativem Erfolge unterzogen.“ „Da von verschiedenen Vertrauenspersonen die Vermutung ausgesprochen wurde, es könnten im Geschäft des Eisenhändlers Georg W. […] dessen Angestellte zum Großteil Anhänger der NSDAP sind, Papierpöller oder sonstiges Propagandamaterial verborgen gehalten werden, wurde am 22. Jänner 1934 […] eine gründliche Durchsuchung der Wohnung und der Geschäftsräume mit negativem Erfolge vorgenommen. Johann H. gab zu seiner Verteidigung an, ein Alibi zu haben. Er sei am 21. Jänner 1934 „in der Backstube meines Dienstgebers beschäftigt [gewesen und] hörte um ca. 19 Uhr 45 einen heftigen Knall und vermutete, daß dies die Explosion eines Papierpöllers gewesen sein müßte. Daß ich an dem Papierpölleranschlag selbst beteiligt war oder davon Kenntnis hatte, stelle ich entschieden in Abrede, weil ich zur Zeit des Anschlages schon längere Zeit zu Hause war, daher den Anschlag nicht verüben konnte. Daß ich zur Zeit der Explosion tatsächlich im Hause meines Dienstgebers war, muß meine Dienstgeberin Aloisia W., deren Töchter Mizzi, und Grete, sowie die Söhne Alfons und Karl bestätigen können.“ „Die mir vorgehaltene Äußerung: „Gut ist es gegangen, geklappt hat es und nichts ist geschehen“ stelle ich entschieden in Abrede und kann der Angeber nur aus Gehässigkeit gegen mich eine solche Behauptung aufstellen.“

Die „Österreichische Legion“ droht

Seit Mitte 1933 verlassen viele junge Oberösterreicher illegal das Land, um sich der „Österreichischen Legion in Bayern“, einer militanten Kampftruppe der NSDAP anzuschließen, die den gewalttätigen Umsturz der österreichischen Regierung unter Dollfuss zum Ziel hat und hofft dadurch den Anschluss an Hitlerdeutschland zu erzwingen. Bereits am 8. September 1933 verbreitet die Bezirkshauptmannschaft Grieskirchen ein streng vertrauliches Rundschreiben an alle Gendarmeriekommanden des Bezirks, um vor der Bedrohung durch die Legion zu warnen. „Verschiedenen Nachrichten zufolge soll schon für die nächste Zeit eine Aktion der in Bayern aus österreichischen NSDAP Angehörigen gebildeten Österreichischen Legion beabsichtigt sein. Es sollen einzelne Angehörige derselben nach Österreich zurückgeschickt werden, um im Innern als Instrukteure oder Führer der dort befindlichen NSDAP Gruppen zu wirken. Es wäre daher nicht ausgeschlossen, daß diese Gruppen Sabotageakte gegen die Bahn, Telephon und andere öffentliche oder private Einrichtungen versuchen werden. Diesem Umstande muß demnach das größte Augenmerk zugewendet werden, um solche eventuell beabsichtigen Anschläge nach Möglichkeit zu verhindern. Alle aus Deutschland zurückkehrenden österreichischen Legionäre oder sonst verdächtige Personen sind an der Überschreitung der Bundesgrenze zu verhindern. Sollte dennoch in Einzelfällen ein solcher Grenzübertritt stattgefunden haben, so sind die Betreffenden festzunehmen und zur Bestrafung einzuliefern. […] Jeder Versuch einer feindseligen Aktion von aussen oder von innen ist mit der größten Rücksichtslosigkeit und mit allen zu Gebote stehenden Mitteln sofort zu unterdrücken, worauf besonders aufmerksam gemacht wird.“

Der Sicherheitsdirektor in Linz fürchtet, dass es zu Massenverhaftungen von Legionären kommen könnte und läßt deswegen nachfragen, ob im Bezirk Grieskirchen „geeignete Objekte oder Lagerstellen zur Verfügung stehen, welche für den Fall des Bedarfes für längere Zeit als Sammellager in Betracht gezogen werden könnten.“ Es wird ihm geraten „in ganz dringenden Fällen könnte vorübergehend das sog. Schloß in Steegen, Gemeinde Steegen, in Betracht kommen. Dieses Gebäude ist 5 Minuten außerhalb des Marktes Peuerbach gelegen, alleinstehend und verfügt über eine größere Anzahl von Wohnräumen, in denen gegenwärtig lediglich Möbel, Bücher etc. untergebracht sein sollen. Im Schlosse selbst wohnt nur die Witwe des seinerzeitigen Eigentümers Johann Eisterer mit 2 Dienstboten.“

Die Tragik des 12. Februars

Nachdem die österreichische NSDAP am 19. Juni 1933 verboten wurde, erreicht sie schon Anfang 1934 wieder ihre ursprüngliche Schlagkraft, was sich in einer Häufung von Sprengstoffanschlägen zeigt. Als Anfang Februar in mehreren Städten große Bauernaufmärsche zur Unterstützung der Bundesregierung stattfinden, explodieren bis zu vierzig Böller an nur einem Tag. Als am 12. Februar 1934 in Linz, Attnang und Steyr Kämpfe zwischen dem Republikanischen Schutzbund und Regierungstruppen ausbrechen, kommt dies der NSDAP Führung sehr gelegen und so ordnet den sofortigen vorläufigen Stop der Terrorwelle an, um sich „diplomatisch als neutral zu geben.“

Als Konsequenz läßt die Reguering die Sozialdemokratische Partei und zahlreiche sozialistischer Vereine, sowie die Gemeinderäte vo Linz und Steyr auflösen, verhängt das Standrecht in Oberösterreich und Wien und ernennt Regierungskommissäre. Es kommt zu zahlreichen Verhaftungen in Linz, unter ihnen der Nationalrat Dr. Ernst Koref und Landesrat Eduard Euller. Die traurige Bilanz der Kämpfe laut amtlicher Verlustliste: 239 Tote und 658 Verwundete worauf auf Oberösterreich 29 Tote (darunter 2 Frauen), 54 verletzte Männer, 9 Frauen und ein Kind entfallen.

Eskalation des Nazi Terrors

Am 10. April schrauben die Nazis den Bombenterror, welchen sie über Oberösterreich brachten, noch eine weitere Stufe höher und schrecken selbst vor Sprengstoffanschlägen auf unschuldige Zivilisten nicht mehr zurück. Mit einem Bombenanschlag auf den Pariser Nachtschnellzug zwischen Oftering und Marchtrenk am 10. April, bei dem ein Eisenbahner getötet wird und 15 Personen zum Teil schwer verletzt wurden, „werden die nationalsozialistischen Attentate wieder aufgenommen, bei denen in den Wochen bis zum Beginn des Juliputsches in Salzburg, Oberösterreich und der Steiermark weitere Menschen ums Leben kommen. Über 300 Attentate und Böller-Anschläge der ersten Jahreshälfte 1934 — waren von wenigen Ausnahmen abgesehen — keine spontanen Einzelaktionen, sondern wurden von Deutschland aus gesteuert, zumindest aber mit Waffen, Geld und logistischer Hilfe unterstützt.“ Innerhalb nur eines Jahres steigert sich die Gewaltbereitschaft der Nazis von vormals harmlosen Protestaktionen, wie dem Anbingen von riesigen Hakenkreuzen in Felswänden, Plakataktionen und Schmierereien an Hauswänden usw. die in der lokalen Erinnerungstradition als „persönliche Waghalsigkeiten“ romantisch verklärt werden zu brutalen terroristischen Aktionen, die in Mord- und Terroranschlägen ihren vorläufigen blutigen Höhepunkt finden.

Am 21. Mai wird die Grenzlandkundgebung der Vaterländischen Front mit Landeshauptmann Dr. Heinrich Gleißner und Landesrat Heinrich Wenninger in Schärding durch an Luftballons befestigten Papierböllern über der Stadt bedroht. Dem folgt am 9. Juni ein weiterer Sprengstoffanschlag auf die Bundesbahn bei Vöcklabruck, im Militärverpflegungslager Wels und ein Mordanschlag in Sierning. Sicherheitsdirektor Dr. Hans Hammerstein-Equord erlässt eine neue Terrorwarnung und befiehlt die schärfste Bewachung der Bahnstrecken durch die Exekutive.

Die traurige Bilanz des Terrors der illegalen Nationalsozialisten in Österreich. Vom Juni 1933 bis zum Anschluss an das Deutsche Reich im März 1938 werden 803 Menschen Opfer nationalsozialistischen Terrors. Durch Anschläge werden 117 Personen sofort getötet, weitere 52 so schwer verletzt, dass sie an den Folgen dieser Verletzungen verstarben.

Die Ermordung des Bundeskanzlers

Der 25. Juli 1934 ging in die österreichischen Geschichtsbücher ein, als 150 illegale Nationalsozialisten, als Offiziere und Soldaten des österreichischen Bundesheeres verkleidet „zur Wachablöse“ in den Hof des Bundeskanzleramtes am Wiener Ballhausplatz vorfahren. SS- und SA-Männer stürmen in das Kanzleramt um die österreichische Regierungsmitglieder gefangen zu nehmen und so durch den von Hitler geplanten Putsch die Regierung Dollfuß zu stürzen. Doch die Regierungsmitlieder waren vorgewarnt worden und hatten das Kanzleramt rechtzeitig verlassen, nur Bundeskanzler Dollfuß blieb zurück. Er wurde durch zwei Kugeln, welche wie bei der Obduktion festgestellt wurde verschiedene Kaliber hatten und deswegen aus zwei verschiedenen Waffen abgefeuert worden sind, verletzt und verblutete langsam, da die Nazis ihm medizische Hilfe sowie den Beistand eines Priesters verweigerten. Der 34-jährige arbeitslose Otto Planetta hatte einen Schuss auf den Bundeskanzler abgegeben und wurde später dafür gehenkt. Lange Zeit war der Name des zweiten Attentäters ein Geheimnis bis spätere Forschungen glauben in Rudolf Prochaska, einem 39jährigen Luftwaffenoffizier im Bundesheer der Ersten Republik und illegales Mitglied der SA, den zweiten Schützen identifizieren zu können. Trotz der tragischen Ermordung Bundeskanzler Dollfuß scheitert der Putschversuch schon wenige Stunden später. Jedoch kommt es in Oberösterreich zu zahlreichen Aufstandsversuchen. In Wilhering und in Laakirchen wird ein Gendarm ermordet, im Raum Hinterstoder – Windischgarsten kommt es zu umfassenderen nationalsozialistischen Aktionen und Verhaftungen in Bad Ischl, Pinsdorf und Goisern, verlustreiche Kämpfe der 4. Brigade (2 Tote und 9 Verletzte) gegen die am Pyhrnpass verschanzten nationalsozialistischen Aufständischen des Oberen Ennstales, die Ermordung eines Gendarmen bei einem Überfall der österreichischen Legion im Raume Kollerschlag und dieVerhaftung eines deutschen Kuriers mit detaillierten Putschanweisungen, ebenfalls in Kollerschlag, kennzeichnen den stürmischen und blutigen Höhepunkt des turbulenten Jahres 1934.

Der in Ried geborene Ernst Kaltenbrunner, ehemaliger Sicherheitsdirektor des Landes und Heimwehrführer, der im Bezirk Grieskirchen Schloss und Land besaß, Führer des illegalen Linzer SS-Abschnittes und von 1943 bis Kriegsende Chef der Sicherheitspolizei und des SD sowie Leiter des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) äußert sich bei seinem Prozess in Nürnberg am 11. April 1946 zurückblickend, dass die Nationalsozialisten Opfer der Regierung Dollfuß gewesen seien und meint lapidar: „Dieser Putschversuch, der auch unglücklicherweise den Mord an Dollfuß mit eingeschlossen hatte, ist niedergeschlagen worden und mit strengsten Verfahren gegen eine Unzahl von Nationalsozialisten gerächt worden. Eine besonders harte Maßnahme bestand darin, daß viele Tausende von Nationalsozialisten ihres Berufes verlustig erklärt wurden, und es bestand die Notwendigkeit, eine Befriedung, ich möchte sagen, eine Milderung der Grundsätze der Regierung herbeizuführen.“

Eine misslungene „Befriedung“

Indirekt schien der Terror mit dem die illegalen Nazis das Land überzogen hatten, Früchte zu tragen. Es beginnen Versuche einer Befriedung mit den Nationalsozialisten. Ernst Kaltenbrunner und Anton Reinthaller aus Vöcklabruck, seit Ende der 1920er Jahre NSDAP Mitglied, wird es „gestattet“ mit seinen eigentlich illegalen Parteigenossen „Besprechungen abzuhalten“. „Schon im August 1934 hatte der oberösterreichische Landeshauptmann Gleißner mit „nationalen“ bzw. „gemäßigt [sic!] nationalsozialistischen Gruppen“ Gespräche geführt. Kein Jahr darauf hatte der Sicherheitsdirektor des Landes Oberösterreich, Peter Graf Revertera, gegenüber – dem späteren NS-Bürgermeister von Linz und Richter beim Volksgerichtshof – bedauert, so viele Nationalsozialisten verhaften zu müssen.“

Schuschnigg, der Dollfuß nachfolgt unterliegt 1938 am Berghof den Einschüchterungen Hitlers, der am 12. März der deutsche Wehrmacht befiehlt die Grenzen zu überschreiten und ein im Sterben gelegenes Österreich „heim ins Reich“ zu holen. Den Jubeltag der „österreichischen Befreiung“ den viele österreichische Legionäre jahrelang im deutschen Exil sehnsüchtigst erwartet hatten, müssen die Männer der Legion in ihren Baracken verbringen. Auf Hitlers Befehl darf die Österreichische Legion erst Ende März die neuen deutschen Gaue betreten und muss ernüchternd feststellen, dass die meisten der versprochenen lukrativen Posten, Ämter und arisierten Betriebe schon von deutschen Nazibonzen vereinnahmt und unter ihnen aufgeteilt wurden. Österreich verschwindet unter dem Jubel der Bevölkerung, von denen die meisten erst der Realität und des Schreckens eines Krieges bedurften, um aufzuwachen aus der kollektiven Hypnose eines Führerkults, an den sie so gerne glauben wollten.

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