Das leere Haus

Gegangen ist sie worden, ins Altersheim abgeschoben, gegen ihren Willen und gegen jede Vernunft und Moral. Ihr Haus nun leer, ausgerƤumt und geplĆ¼ndert. Die TĆ¼r des kleinen Safes der Grossmutter, versteckt im alten Kasten ihres Schlafzimmers steht offen, leergerƤumt, geplĆ¼ndert. Helle Rechtecke auf Tapeten verraten, dass einst Bilder hier hingen. Die vielen Statuen von Grossvater, jahrelang mit unendlicher Engelsgeduld am KĆ¼chentisch aus Holz geschnitzt, bemalt und vergoldet, verschwunden. Nur Fotos, Briefe und Erinnerungen lieƟ sie zurĆ¼ck, sie hatten keinen Wert fĆ¼r sie, sie wollte kein Andenken an eine Frau, die ihr so sehr verhasst war. Ein Leben lang hatte sie warten mĆ¼ssen warten auf den Tag ihrer Rache. Ein Leben der Heuchelei und stƤndig vorzugeben, es doch eigentlich gut mit ihr zu meinen. Das war nun vorbei. Grossmutter tot, begraben und bald schon vergessen. So beschloss sie: Das Haus werde vermietet, ihre Sachen beim Roten Kreuz entsorgt, kein Bild, kein geschriebenes Wort, kein Andenken darf erhalten bleiben. 93 Jahre Lebenszeit, ausgelƶscht und vergessen. Wie eine Herrin Ć¼ber die Zeit, mit der Macht der Niedertracht, lƤsst sie die Erinnerungen eines erfĆ¼lltes Lebens im Strudel des Vergessens verschwinden, entsorgt wie Kot in der Kloake ihres Hasses, den sie 40 Jahre lang geschĆ¼rt hatte. All das, was niemals sein durfte, all das, was ihre Allmacht beschnitten hatte, ihrem Wort widersprochen und ihren guten Namen angezweifelt hatte, endlich zerstƶrt und ausgelƶscht. Ihre Gebete erhƶrt, ihr Flehen an unsichtbare MƤchte, sie doch endlich von dieser Person zu befreien fand eine Woche vor Weihnachten im Tod der Grossmutter ihr Ende.

Author: freakingcat
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