Der Ackerbausch├╝ler

Der Ackerbausch├╝ler

Ertrunken aufgefunden. Aus Gunskirchen wird telegraphiert: Es wurde heute vormittag Franz Eichinger, Kettlgrubersohn von Offenhausen, Ackerbausch├╝ler in Ritzlhof, in einer Lache bei Kappling, Gemeinde Gunskirchen, tot aufgefunden. Eichinger hat sich wahrscheinlich Dienstag, Heiligabend verirrt, als er zu seinen Eltern auf Ferien heimging. Aus Wels wird uns heute telefoniert: Es hat sich in der Nacht von Samstag auf Sonntag in der Ortschaft Kappling bei Gunskirchen eine schwere Bluttat ereignet. Man spricht von Mord, es ist aber nicht ausgeschlossen, ob es sich nicht um Totschlag handelt. Heute wurde n├Ąmlich die Leiche eines Burschen, die man als die eines gewissen Eichinger aus Ritzlhof erkannt haben will, aufgefunden. N├Ąheres ist noch nicht bekannt. Auf eine bisher unaufgekl├Ąrte Art und Weise hat vor den Weihnachtsfeiertagen ein junges Menschenleben ein tragisches Ende gefunden. Es wurde die Leiche des 13 j├Ąhrigen Sch├╝lers der Ackerbauschule in Ritzlhof Franz Aichinger, ein Bauerssohn von Stockerberg, tot aufgefunden. Man vermutete sofort, dass ein Verbrechen vorliege, doch wird erst die heute am Fundorte der Leiche eintreffende Gerichtskommission volle Klarheit in den Fall bringen, der in Gunskirchen begreifliche Erregung hervorgerufen hat. Es wurde uns in dem Fall des toten Knaben, welcher gestern fr├╝h oberhalb von Kappling von einem Stallburschen, gefunden wurde, ein trauriger Bericht ├╝bermittelt. Der m├Ąnnliche Leichnam lag ausgestreckt am Boden mit dem Gesichte im Graben, in dem sich Wasser befand. Die H├Ąnde hatte er ├╝ber dem Kopfe auch der Rockkragen war ├╝ber den Kopf gezogen. Er kam am Samstag den 21. Dezember, nachmittags, mit dem Zuge in Gunskirchen an und wollte sich von der Bahn nach Hause begeben, um die Feiertage bei den Eltern zu verbringen, doch es kam anders und der Knabe musste ein so trauriges Ende nehmen. Sein Gebetsbuch und sein Rosenkranz lagen neben der Leiche. Uns wurde gemeldet: Der Fund wurde von einem Knechte aus der Umgebung gemacht. Der Knecht erstattete von dem grausigen Funde die Anzeige beim Gendarmerieposten Gunskirchen. Bei der Leiche lagen Briefschaften, welche auch die Identit├Ąt des Leichnams bald feststellten, n├Ąmlich da├č es der des Bauerssohnes namens Aichinger von Plankenberg ist. Unter den Briefschaften befand sich auch ein Postanweisungsabschnitt, datiert vom 10. dieses Monats lautend auf 14 Kronen, weiters fand sich auch eine Fahrlegitimation von Nettingsdorf bis Bachmanning. Er, der Schmied, der im Schmiedlhaus zu Kappling wohne, habe am Sonntag um halb acht Uhr abends einen Hut gefunden. Er, der Schneidermeister Aicher zu Kappling, habe am Samstag den Hut gefunden, aber in der Annahme, da├č ein Betrunkener ihn verloren habe, habe er dem Fund weiters keine Bedeutung zugemessen, und den Hut an sich genommen. Er, der Schmied zu Kappling, fand um acht Uhr abends den Hut Eichingers, aber dachte da├č ihn irgendein Betrunkener verloren hatte und meldete den Fund einigen Bauern und in Gasth├Ąusern in der Umgebung. Erst heute zeigte sich, da├č der Hut dem Aufgefundenen geh├Ârte, da sich der Name des Besitzers innen im Hute vorfand. Der Mord d├╝rfte zirka zwischen 5 bis 7 Uhr abends ver├╝bt worden sein. Die Leiche lag von der Stra├če 5 bis 6 Klafter entfernt gegen den Bach zu, in der N├Ąhe mehrerer Heustadeln. In einem solchen d├╝rfte der Mordgeselle seinem Opfer aufgelauert haben. Die Leiche lag abseits der Strasse in unmittelbarer N├Ąhe des vorbeifliessenden Gr├╝nbaches im dort wuchernden Schilfrohr verborgen. Der Leichnam lag auf dem Angesichte, der Rock war ├╝ber den Kopf gezogen. Am Hinterhaupte zeigte sich eine Verletzung. Wie das zertretene Gestr├╝pp zeigte, ist der Leichnam von der Stra├če weg auf den Fundort gezerrt worden. Aus Wels wird uns ein mutmasslicher Raubmord telephoniert: Wie schon gestern kurz gemeldet wurde etwas abseits von der von Gunskirchen nach Offenhausen f├╝hrenden Bezirksstrasse zwischen den Ortschaften Kappling und Kurzenkirchen die Leiche eines jugendlichen Bauernburschen aufgefunden. An der bezeichneten Stra├čenstelle, die in einem l├Ąngeren Abstande h├Ąuserleer ist, befinden sich seitlich nur f├╝nf Heustadeln. Gestern sollte nun von einem dieser Stadeln Heu weggef├╝hrt werden und so begab sich ein Knecht aus Kappling dahin und machte dabei etwa 150 Schritte von der Stra├če entfernt den grausigen Fund. Er sah zuerst ganz in der N├Ąhe des Gr├╝nbaches ein Paket am Boden liegen und unweit davon im Gestr├╝pp die Leiche. Sie lag mit dem Gesichte abw├Ąrts, Rock und Weste waren f├Ârmlich ├╝ber den Kopf hinausgezogen, was darauf hindeutet, da├č die Leiche jedenfalls von der Stra├če her an diese Stelle geschleppt worden ist. Bei der Leiche lag auch der Havelock des Toten, dann zu dessen F├╝├čen ein Gebetsbuch und ein Rosenkranz. Die hiesige k. k. Staatsanwaltschaft hat verf├╝gt, da├č der Leichnam bis zu der heute vormittags eintreffenden Gerichtskommission aus Wels unber├╝hrt an der Auffindungs-stelle verbleiben m├╝sse. Der Sch├╝ler kam am Samstag gegen 6 Uhr abends mit der Bahn in Gunskirchen an und machte sich gleich auf den Marsch nach Offenhausen, welchen Weg er wiederholt fr├╝her schon gemacht hatte. Es ist bereits nachgewiesen, da├č er ausserhalb Gunskirchens ein St├╝ck des Weges mit dem Maurer Weber von Langwies ging, der noch, als ihre Wege sich trennten, zu ihm sagte, er solle etwas warten, weil Maurer aus Offenhausen ohnehin bald nachkommen und er dann wieder eine Begleitung auf dem Heimwege habe. Der ungl├╝ckliche Junge war aber ├╝ber seine Heimkehr ins Elternhaus schon so freudig bewegt, da├č er nicht wartete, sondern allein weiterschritt. Nach einer Stunde ungef├Ąhr kam Eichinger zu den erw├Ąhnten f├╝nf Heustadeln: was sich dort abgespielt hat, ist vorl├Ąufig noch in Dunkel geh├╝llt. Die Eltern Eichingers vermissten zwar ihren Sohn, sie dachten aber nicht an Schlimmes sondern meinten, da├č er sich noch in Ritzlhof bef├Ąnde. Bewohner der Gegend von Kappling behaupten, da├č sich in den erw├Ąhnten Heustadeln ├Âfter unterstandsloses, verd├Ąchtiges Gesindel aufhalte. Wie bereits gemeldet wurde am vergangenen Freitag ausserhalb der Ortschaft Kappling, die Leiche eines 13 j├Ąhrigen Bauernburschen aufgefunden, der mit dem Bauerssohn Franz Aichinger vom Stockerberg, identisch ist. Von der Auffindung wurde bereits berichtet. Wie die gestern, Samstag vormittags, an der Auffindungsstelle vorgenommene Lokal-augenscheinaufnahme durch die Gerichtskommission ergab, liegt nicht, wie man anfangs glaubte ein Unfall, sondern ein Raubmord vor. In den Kleidern des Toten fehlten Uhr und Kette, sowie der Geldbetrag von dem gemutma├čt wird, da├č er noch 5 bis 6 Kronen bei sich gehabt haben d├╝rfte. Die abhanden gekommene Uhr war eine Remontoiruhr aus Stahl mit weissem Zifferblatt und r├Âmischen Ziffern. Die Kette ist aus Silber, mit kleinen, verschlungenen Ringen. An der Uhrkette befand sich als Anh├Ąngsel ein Schweinchen. Die auch fehlende Geldb├Ârse war zweif├Ąchrig. Bei der Besichtigung der Leiche fanden sich vorn am Halse leichte W├╝rgespuren vor. Es wurde konstatiert, da├č der Tod durch Eindr├╝ckung der Halsschlagader erfolgte. Die im Magen noch vorhandenen Speisereste befanden sich noch in keiner Zersetzung. Auch die Leiche selbst wies noch keine Verwesungs-merkmale auf. Die am Samstag am Tatort erschienen Gerichtskommission, an der StR. Dr. Huber teilnahm, hat ergeben da├č es sich zweifellos um ein Verbrechen und zwar um einen Raubmord handelt. Diese Ansicht wurde durch die von den Welser Gerichts├Ąrzten Dr. Mitterdorfer und Dr. John vorgenommenen Obdukt-ionen best├Ątigt. Der bedauernswerte Knabe wies am Halse W├╝rgespuren auf. Der verruchte T├Ąter hatte den Hals des Knaben derart umspannt, da├č er die beiden Halsschlagadern zusammendr├╝ckte. Eine unter der Haut am Hinterhaupt befindliche kleine Blutunterlaufung d├╝rfte durch den Sturz zu Boden entstanden sein. Der T├Ąter d├╝rfte sein armes Opfer nach vollbrachter Tat r├╝ckw├Ąrts am Rockkragen gepackt, emporgehoben und mehr weg-getragen als weggeschleppt haben. Die Behauptung, die auch in einigen Bl├Ąttern Aufnahme gefunden hat, da├č deutlich sichtbare Spuren vorhanden sind, die genau zeigen, wie der T├Ąter sei Opfer fortschleppte, ist vollst├Ąndig unrichtig. Es waren am Tatort keinerlei Spuren vorzufinden. Eilmeldung. Wie uns gerade jetzt telephoniert wurde, ist im Fall des ermordeten Knaben in Kappling, Gemeinde Gunskirchen, bereits eine Verhaftung erfolgt. Alois Wallner, 22 Jahre alt, in Gallspach geboren, Bauernknecht, gegenw├Ąrtig ohne Stellung, wegen Verbrechen nach Paragraph 129 b vorbestraft, ein arbeitsscheuer, genu├čs├╝chtiger Bursche, wurde gestern unter dem dringenden Verdachte die Mordtat begangen zu haben, verhaftet und vom Bezirksgericht Grieskirchen┬á an das Kreisgerichtsgefangenenhaus einge-liefert. Der Verdacht gegen den als leichtsinnig bekannten Alois Wallner entstand dadurch da├č er um 3/4 10 Uhr nachts, am Tage der Tat, zu seiner Geliebten Franziska Kirchsteiger in Kappling kam und dieser eine Uhr samt Kette vorwies mit den Worten: ÔÇ×Jetzt hab I a Uhr ah, aber dumm hergangen is.ÔÇť Die Uhr d├╝rfte die gleiche sein, die dem gemordeten Knaben geraubt wurde. Wallner leugnet die Tat hartn├Ąckig und will sein Alibi durch nicht ganz verl├Ą├člich erscheinende Zeugen nachweisen. Das von Wallner versuchte Alibi erscheint nicht ganz einwandfrei. Als Motiv der Tat w├Ąre bei Wallner, der als l├Ąndlicher Blattenbruder anzusehen ist, anzunehmen, da├č er zu den Feiertagen sich Geld erschaffen wollte. Zu dem Raubmorde in Kappling, schreibt man uns aus Wels: Die Nachforschungen nach dem gemein-gef├Ąhrlichen T├Ąter welcher am 21. letzten Monats den unschuldigen 12 j├Ąhrigen Ackerbausch├╝ler Franz Aichinger bei Kappling erdrosselt hatte, wurden mit aller Energie aufgenommen. Ein erster Tatverd├Ąchtiger, der 22 j├Ąhrige Alois Wallner aus Gallspach wurde festgenommen. Er leugnet die schreckliche Tat. Trotz des gegen ihn herrschenden dringenden Verdachtes werden gleichzeitig auch nach anderer Richtung mit gro├čem Eifer Erhebungen gepflogen. Es erscheint n├Ąmlich auffallend, da├č der Knabe erw├╝rgt wurde. Kriminalistisch ist es in Ober├Âsterreich als eine gro├če Seltenheit zu bezeichnen, da├č jemand erw├╝rgt wird so da├č die Annahme, es k├Ânnte in diesem Falle eher ein Landfremder als ein einheimischer T├Ąter in Betracht kommen, nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Die Art, wie die Tat an dem armen bedauernswerten Knaben begangen wurde, lie├č die Vermutung aufkommen, die Tat k├Ânnte von Zigeunern oder sonstigen fahrenden Leuten, Schleifern und dergleichen ver├╝bt worden seien. Andererseits steht dem gegen├╝ber, da├č Zigeuner oder andere landfremd herumziehende Leute aller Wahrscheinlichkeit nach auch die Kleider und Schuhe des ermordeten Knaben geraubt h├Ątten. Im Beisein des Staats-anwaltes Doktor Huber und des Untersuchungsrichters Kirchmayr wurde gestern, Mittwoch 1/2 3 Uhr nachmittags mit dem des Mordes verd├Ąchtigen Knechte Alois Wallner, eine streckenweise Begehung des Weges vorge-nommen, den der Beschuldigte an dem kritischen Abende gegangen sein will. Gegen Kappling hin wurde der Eskortierte freigelassen. Im Umkreise waren acht Gendarmen aufgestellt, um eine eventuelle Flucht zu verhindern. Auf dem Wege bis Weilbach, Gemeinde Pichl und nach Kurzenkirchen, Gemeinde Offenhausen, wich Wallner dem Tatorte in weitem Bogen aus. Wallner gibt an, da├č ihm der Weg dorthin ├╝berhaupt unbekannt sei. Die Begehung des Weges f├╝hrte zu keinem Resultat. Gegen 9 Uhr abends wurde Wallner wieder nach Wels in Untersuchungshaft gebracht. Er leugnet hartn├Ąckig die ihm zur Last gelegte Tat. Beziehend auf den mutma├člichen Raubmord zu Kappling wird uns am 9. dieses Monats telephoniert: Gestern wurde von einer hiesigen Gerichtskommission unter Leitung des Richters Doktor Rudolf Kirchmayr im Beisein des Staatsanwaltes Dr. Huber neuerliche Erhebungen in der Umgebung der Stelle n├Ąchst Kappling, wo im vorigen Monate der zw├Âlfj├Ąhrige Ackerbausch├╝ler Franz Eichinger ermordert aufgefunden wurde, gepflogen, wobei der des Mordes verd├Ąchtige, 22 Jahre alte Alois Wallner aus Gallspach mitgef├╝hrt wurde. Nach seiner Angabe ging Wallner, als er abends zu seiner Geliebten in Kappling von Gallspach her├╝berging, ├╝ber Kematen, Weilbach und Wimberg nach Kappling, w├Ąhrend der eigentliche, k├╝rzere Weg von Kematen ├╝ber See und Untereggen gegen Kurzenkirchen auf die von Offenhausen nach Kappling gehende Stra├če f├╝hrt, auf der vermutlich der Mord an dem kritischen Abende zwischen Kurzenkirchen und Kappling ver├╝bt wurde. Wallner gibt jedoch an, diese Stelle nicht passiert zu haben, und f├╝hrte die Kommission auch auf den fast unglaublichen Weg, den er gegangen zu sein behauptet, durch Wiesen und Wald und es schien einige Male, da├č er selbst abstehen w├╝rde, den Weg fortzusetzen, wobei er zynisch l├Ąchelte. Er f├Ąhrt ├╝brigens fort, die Tat zu leugnen. Von dem n├Ąchst der Mordstelle auf der H├Âhe einiger hundert Schritte entfernt stehenden Leitenmannhaus, das einem Onkel des Wallner geh├Ârt, wurden gestern auch H├Âr und Sehproben vorgenommen. Es wurde konstatiert, da├č man mit gutem Auge von dieser H├Âhe aus die Leiche Eichingers in dem Geb├╝sche beim Gr├╝nbach h├Ątte liegen sehen k├Ânnen, von den Hausleuten des Leitenmannhauses hat sie aber damals niemand bemerkt. Weiters wurde festgestellt, da├č am kritischen Abende in der Zeit zwischen 7 und 8 Uhr ein Bauerssohn aus Wimberg von der H├Âhe n├Ąchst dem genannten Hause herabstehend, einen Lichtschein wie vom Anz├╝nden einer Zigarre oder Pfeife wahrnahm und etwas sp├Ąter eine zur Stra├če hinuntergehende m├Ąnnliche Person bemerkte. Der erw├Ąhnte Bauernsohn, der als Zeuge beigezogen war, konnte aber nicht bestimmt behaupten, da├č Wallner derjenige war, der damals hinabging. Das Erscheinen der Gerichts-kommission in Kappling lockte gestern wieder zahlreiche Neugierige an. Zur Mordaffaire bei Kappling schreibt man uns aus Wels am 17. d. M.: Die Gendarmerie pflegt noch immer unausgesetzt die eifrigsten Erhebungen in der dunklen Mordaff├Ąre bei Kappling, bei der bekanntlich am 21. Dezember des Vorjahres der 12 j├Ąhrige Ackerbausch├╝ler Franz Eichinger, einem Raub-m├Ârder zum Opfer gefallen ist. Nun hat die Staatsanwaltschaft die weitere Verhaftung des Onkels des Wallner, n├Ąmlich des Johann R├Âsner, Besitzer des Leitenbergen Anwesens zu Wimberg Nr. 2, Gemeinde Gunskirchen, verf├╝gt. Letzterer steht n├Ąmlich im Verdachte einer falschen Zeugenaussage bei den beh├Ârdlichen Erhebungen in dieser Mordaff├Ąre. Heute Freitag um 1/4 1 Uhr fr├╝h wurde R├Âsner nach Wels in die k. k. Fronfeste eingeliefert. R├Âsner versuchte sich der Verhaftung durch Verstecken zu entziehen. In der Ver-antwortung des wegen Verdachtes des Raubmordes an dem 12 Jahre alten Ackerbausch├╝lers Franz Eichinger aus Offenhausen hier in Untersuchungs-haft befindlichen 22 Jahre alten Knecht Alois Wallner aus Gallspach ist keine Ver├Ąnderung zu verzeichnen, indem Wallner fortgesetzt beim Leugnen ver-harrt. Jedoch ist heute nachts in der Sache eine neue Verhaftung erfolgt. Es wurde n├Ąmlich ├╝ber Auftrag der Staatsanwaltschaft Wels gestern abends der Onkel des Verd├Ąchtigen, der 45 Jahre alte Johann R├Âsner wegen Verdachtes der falschen Zeugenaussage in der genannten Mordaff├Ąre verhaftet und mit dem Zuge um 12 Uhr nachts dem hiesigen Kreisgericht eingeliefert. R├Âsner ist nach Jungferndorf in Schlesien zust├Ąndig, verheiratet und Vater von drei Kindern. Das Leithenbergerhaus befindet sich als einziges Haus in der N├Ąhe der Mordstelle, einige hundert Schritte von dieser entfernt auf der Berges-h├Âhe. Seine in der Mordangelegenheit gemachten Aussagen bei Gericht sind derart zweifelhaft, da├č man zu seiner Verhaftung schritt. Unter anderem soll er verschwiegen haben, da├č Wallner, als ihn die Gendarmerie schon suchte, noch bei ihm war und ihm Mitteilung ├╝ber seine Verfolgung machte. In Gunskirchen und Umgebung war in den letzten Tagen das Ger├╝cht verbreitet, da├č Wallner einem seiner Br├╝der das Verbrechen nach der Tat eingestanden habe. Auch an sonstigen Ger├╝chten fehlt es nicht, die im Bem├╝hen, des T├Ąters habhaft zu werden, entstehen, da die schreckliche Mordaffaire noch immer die Gem├╝ter in Aufregung h├Ąlt. Drahtbericht zum Leichenfund bei Kappling: Vor einem Erkenntnissenate des hiesigen Kreis-gerichtes hatte sich heute der H├Ąusler Johann R├Âsner aus Wimberg wegen Verbrechens der falschen Zeugenaussage zu verantworten. R├Âsner ist Besitzes des Leitenberger H├Ąusls, das rechts am Wege, f├╝nf Minuten entfernt von jener Stra├čenstelle ausserhalb Kapplings liegt, wo selbst am 21. Dezember v. J. der Ackerbausch├╝ler Franz Eichinger aus Offenhausen ermordet aufgefunden wurde. R├Âsner, der von Dr. Salzmann verteidigt wurde, sagte vor dem Vorsitzenden der Verhandlung K. K. Dr. Jungwirth aus, da├č Wallner an diesem Tag gar nicht bei ihm war, und antwortete auf die weitere Frage wie folgt: ÔÇ×Am 21. Dezember war ich den ganzen Tag daheim in meinem Hause, kann aber nicht angeben, ob um die fragliche Zeit sich wer von der Stra├če her meinem Anwesen gen├Ąhert hatÔÇť. Nun wurde aber durch sp├Ątere Erhebungen festgestellt, da├č R├Âsner am erw├Ąhnten Tag nicht immer zu Hause war, sondern in der Zeit von 6 Uhr abends bis 1/2 10 Uhr nachts beim Bauer Heinrich Hochmayer in Kappling zu Besuch weilte und dort mit einigen andren Personen Karten spielte. R├Âsner verantwortete sich in dieser Beziehung dahin, da├č er nichts absichtlich verschwiegen habe, sondern da├č er sich nicht mehr erinnern konnte, ob er gerade am 21. Dezember Karten gespielt hatte. Erst am Abend nach der gerichtlichen Einvernahme traf er den Bauer Hochmayer und im Gespr├Ąche mit ihm kam er darauf, da├č dies der 21. Dezember war. Der Gerichtshof ging schlie├člich mit einem Freispruch vor, da der objektive Tatbestand als zweifelhaft erschien und auch rechtliche Bedenken vorlagen, nachdem bei der Einvernahme R├Âsner er zum Teile auch als Mitverd├Ąchtiger in Betracht kam und als solcher vom Untersuchungs-richter einvernommen wurde. R├Âsner wurde sofort enthaftet. Es ist nicht ausgeschlossen, da├č auch die Enthaftung des Wallner in n├Ąchster Zeit erfolgt, da die Verdachtsmomente bisher keine besondere Bereicherung erfuhren und Wallner hartn├Ąckig die Tat in Abrede stellt. Zwei Landstreicher, beide schon schwer vorbestraft, wurden ebenfalls wegen des Verdachtes des Mordes an Franz Eichinger in Untersuchungshaft gezogen, jedoch schlie├člich nur wegen Landstreicherei verurteilt. Aus Wels schreibt man uns vom 16. d. M.: Gestern gegen 1/2 9 Uhr abends kam in das Freudenhaus Richter in der Feldgasse der 32 j├Ąhrige ledige Maurergehilfe Alois Pichler, in St. Veit im M├╝hlkreis ge-boren und dahin zust├Ąndig. Er verlangte gleich nach seinem Erscheinen mit Frau Richter zu sprechen. Dieser erz├Ąhlte er, da├č er in der Ortschaft Gr├╝bl bei Steinerkirchen am Innbach bei seiner Schwester im Aufenthalte sei und gestern Samstag in Wels weilte, um die Zinsen bei vier Sparkassenb├╝chern der Welser Sparkasse nachtragen zu lassen. Er hatte auch vier Sparkassenb├╝cher auf die Namen Pichler und Kloimstein lautend, die eine Einlage von zusammen ungef├Ąhr 2000 Kr zeigten bei sich. Gleich anfangs seines Gespr├Ąches mit Frau Richter kam er auf den am 21. Dezember 1912 bei Kappling geschehenen Mord an dem Ackerbausch├╝ler Franz Aichinger zu sprechen und ersuchte die Frau, da├č falls etwas an sie k├Ąme, sie sagen m├Âge, da├č er, der Pichler, an dem Abend des 21. Dezember im Hause der Richter in Wels war und dann um 9 Uhr abends mit dem Rade nach Linz weitergefahren sei. Zugleich f├╝gte er bei, da├č es ihn auf 500 Gulden nicht ankomme, Frau Richter m├Âge ihm helfen, denn die zwei, welche wegen Mordverdachtes sitzen, seien nicht die T├Ąter und in der Umgebung von Gr├╝bl habe man bereits Verdacht auf ihn. Er erz├Ąhlte weiter, da├č Aichinger erw├╝rgt worden sei, schilderte die Tatumst├Ąnde wie dessen Uhr und Kette und machte sich in seinem ganzen Gehaben derart verd├Ąchtig, da├č Frau Richter gegen 10 Uhr schlie├člich um einen Wachmann schickte. Der Wach-mann nahm den Pichler mit sich auf die Polizeiwachstube und da er dem Fu├čmarsche Widerstand entgegensetzte, wurde dies per Einsp├Ąnner durch-gef├╝hrt. Auf der Polizeiwachstube gab Pichler auf die Fragen des Wach-mannes bez├╝glich der ├äusserungen zur Frau Richter ausweichende Ant-worten. Es wurde bei Pichler ausser den vier Sparkassenb├╝chern noch ein Geldbetrag von 79 K 20 h, sein Arbeitsbuch wie Uhr und Kette vorgefunden. Die Uhr ist aber mit der dem Aichinger geraubten nicht identisch. Als Pichler in das Richtersche Haus kam, war er ganz n├╝chtern, erst dort hat er dann, nachdem er seine verd├Ąchtigen ├äu├čerungen gemacht hatte, f├╝nf Flaschen Bier getrunken. Pichler wurde in Polizeiarreste interniert und heute Sonntag fr├╝h neuerlich polizeilich vernommen, wobei er nun alle ├äu├čerungen zur Frau Richter direkt in Abrede stellte. Pichler macht nicht den Eindruck eines unnormalen Menschen, so da├č man sich seine Beschuldigungen gar nicht erkl├Ąren kann. Der Verd├Ąchtigte wurde heute Sonntag vormittags dem Kreis-gerichte Wels eingeliefert, wo die n├Ąheren Untersuchungen in der Sache die entsprechende Aufkl├Ąrung bringen werden. Der, wie gestern berichtet, wegen einer etwas eigenartigen Selbstbeschuldigung durch die hiesige Sicherheitswache am Samstag abends hier verhaftete Maurergehilfe Alois Pichler aus Gr├╝bl bei Steinerkirchen am Innbach befindet sich noch in Haft beim hiesigen Gerichte. Pichler d├╝rfte kaum mit dem Morde in Zusammen-hang stehen und hat die ├äu├čerungen vielleicht nur in Renommiersucht gemacht, denn schon bei der Einlieferung durch die Sicherheitswache ver-wies┬á er darauf, da├č er sein Alibi nachweisen k├Ânne. Er habe an diesem Tag gedroschen und sei nicht aus dem Hause gekommen. Immerhin aber ist es berechtigt, da├č nunmehr das Gericht eingehende Erhebungen ├╝ber Pichler pflegt. Gestern, Montag, nachmittags wurden Frau Richter und eine Inwohnerin des betreffenden Hauses beim Untersuchungsrichter einver-nommen, weitere Einvernahmen stehen bevor. Pichler ist ├╝brigens schon der zweite, der sich durch verd├Ąchtige Reden mit dem Raubmorde an dem Ackerbausch├╝ler Franz Aichinger in Zusammenhang bringt. Ein ├Ąhnlicher Fall ereignete sich am 30. Dezember v. J. in einem Gasthause in Stadl-Paura, wo sich ein Ochsenknecht aus Puchheim des Mordes verd├Ąchtig machte. Der Bursche entfernte sich damals in eiliger Hast aus dem Gasthause und sp├Ąter fand man ihn im Traunflusse vor, wo seine Rettung eben noch gl├╝ckte. Auch dieser war, wie sich herausstellte, weder der M├Ârder noch stand er mit dem Morde in Zusammenhang. Zum Raubmord in Kappling wird aus Wels vermeldet, da├č die Nachforschungen der Gendarmerie ergaben, da├č der am Samstag nacht verhaftete Alois Pichler, Knecht aus Gr├╝bl, Gemeinde Steinerkirchen am Innbach gar keinen Grund hatten und er sich nur prahlen wollte. Pichler wird daher enthaftet. Aus Wels wird uns unterm 21. J├Ąnner telephoniert: Die Staatsanwaltschaft hat heute die Untersuchung gegen den am 29. Dezember v. J. wegen Verdachtes des Mordes an dem Ackerbau-sch├╝ler Franz Aichinger in Kappling verhafteten 22 j├Ąhrigen Knecht Alois Wallner aus Gallspach eingestellt. Wallner, der sich seit 58 Tagen in Unter-suchungshaft befindet, wird vor seiner Freilassung noch beim hiesigen Bezirksgerichte eine Verhandlung wegen eines kleinen Diebstahles und eines Angeldschwindels haben. Der Angeklagte war in der Zeit von November bis Mitte Dezember bei dem Bauer Michael ├ľttl in Kurzenkirchen bei Offenhausen bedienstet. W├Ąhrend dieser Zeit wurden daselbst verschiedene Diebst├Ąhle zum Nachteil des Bauern, wie auch der im Hause bediensteten Personen ver├╝bt. Der Verdacht lenkte sich sofort auf Wallner. Bei diesem wurde auch eine dem Knecht Mayrhofer geh├Ârige Geldb├Ârse gefunden, welche dem Mayrhofer mit einem Inhalt von 15 Kronen gestohlen worden war. Der Angeklagte war auch gest├Ąndig, da├č er die 15 Kronen samt der Geldb├Ârse gestohlen habe. Alle anderen ihm zur Last gelegten Diebst├Ąhle, die im Hause ver├╝bt wurden, stellte der Angeklagte hartn├Ąckig in Abrede. Bez├╝glich des Angeldes war der Angeklagte wirklich nicht schuldig, da er infolge seiner Verhaftung den Dienst nicht antreten konnte. Bezirksrichter Dr. Schmetzer erkannte Alois Wallner nur wegen des Diebstahles von 15 Kronen schuldig und verurteilte ihn zu acht Wochen strengen Arrest. Trotz der eifrigsten Bem├╝hungen der Beh├Ârden und deren Organe bleibt die grausige Tat von Kappling noch immer unaufgekl├Ąrt. Es zirkulieren sogar g├Ąnzlich unmotivierte Ger├╝chte, die den Vater des Ermordeten mit der Mordtat in Zusammenhang brachten. Anl├Ą├člich des am 21. Dezember 1912 n├Ąchst Kappling vorgekommenen Raubmordes an dem 12 Jahre alten Ackerbausch├╝ler Franz Aichinger verbreiten sich ├╝ber den T├Ąter, der heute noch nicht mit Sicherheit festgestellt ist, die verschiedensten Ger├╝chte und b├Âse Zungen gingen so weit, da├č sie den Vater des Knaben, den Bauer Franz Aichinger, Kettlgruber in Stockerberg, mit der unmenschlichen Tat in Verbindung brachten. Um diese Ger├╝chte verstummen zu lassen, war Franz Aichinger, gezwungen eine Anzahl Ehrenbeleidigungsklagen anzustrengen. Am 19. fand die erste diesbez├╝gliche Verhandlung vor dem Bezirksgerichte Schwanenstadt gegen die Gastwirtin Maria Tallinger statt, welche vor Gericht eine Erkl├Ąrung abgab, da├č sie Herrn Aichinger gewi├č nicht beschuldigen wollte. Frau Thallinger versicherte, da├č sie lediglich an jemand die Frage gerichtet habe, ob das Ger├╝cht auf Wahrheit beruhe, und die Person bezeichnete, von welcher das Ger├╝cht stammte. Auch der Hausbesitzer Alois Sittenthaller in Offenhausen hat sich infolge Androhung einer Klage zur Abgabe einer Erkl├Ąrung bewogen gef├╝hlt, da├č er es bedauere, durch die Weiterverbreitung der ihm von Frau Thallinger gestellten Frage zur Verbreitung des unwahren Geredes beigetragen zu haben. Gegen einen Welser B├╝rger ist gleichfalls eine Klage in dieser Sache anh├Ąngig und es erscheint daher im ├Âffentlichen Interesse geboten, mitzu-teilen, da├č an dem Ger├╝chte kein wahres Wort ist und seitens des Gerichtes nicht der geringste Verdacht gegen den Bauer Franz Aichinger besteht. Wer die Tat an dem bedauernswerten Knaben am Gewissen hat, ist also noch immer nicht festgestellt. Wie seinerzeit im ÔÇ×Linzer VolksblatteÔÇť berichtet, wurde gleich anfangs angenommen, da├č es sehr wahrscheinlich erschiene, da├č die ruchlose Tat nicht von einem Einheimischen, sondern einem Landfremden begangen wurde. F├╝r diese Annahme spricht der Umstand, da├č bei der Mordtat nicht ein Tropfen Blut vergossen wurde. Unblutige Morde kommen hierzulande nicht vor. Die Art, wie der Knabe ermordet wurde, l├Ą├čt vermuten, da├č landfremde Karnerleute oder Zigeuner die Tat begangen haben. Abermals ein Nachspiel zum Raubmorde in Kappling. Vor dem hiesigen Kreisgerichte unter Vorsitz des LGR. Dr. Tursth, hatte sich heute in der Gr├╝bl bei Steinerkirchen am Innbach wohnhafte und am 6. Juni 1880 in Rohrbach geborene, ledige Maurer Alois Pichler wegen Bewerbung um ein falsches Zeugnis vor Gericht zu verantworten. Pichler hatte am 15. Februar hier im Hause Richter in der Feldgasse vorgesprochen und sich dort als Mitschuldiger an dem Raubmorde in Kappling verd├Ąchtig gemacht, so da├č er verhaftet wurde. Ob er zum Morde in Beziehung steht, konnte bisher nicht festgestellt werden, die Staatsanwaltschaft hat die diesbez├╝glichen Untersuchungen eingestellt. Doch hat Pichler von der Frau Richter verlangt, da├č sie, falls vom Gerichte etwas k├Ąme, sagen m├Âge, er sei an jenem Abende bei ihr gewesen. Es komme ihm f├╝r diesen Dienst auf 500 Gulden nicht an. Darin erblickt die Staatsanwaltschaft die Bewerbung um ein falsches Zeugnis vor Gericht. Pichler will glauben machen, da├č er damit einen anderen Tag meinte, an dem er wirklich bei Frau Richter war. Dagegen best├Ątigt Frau Richter und die Prostituierte Therese Gruber und Maria Soldan die Anklage. Der Gerichtshof vertagte schlie├člich die Verhandlung, um den Geistes-zustand des Angeklagten zu untersuchen, da seine Angaben gar keinen logischen Zusammenhang haben. Pichler wurde wieder in die Unter-suchungshaft abgef├╝hrt. Aus Wels schreibt man uns da├č der durch eine eigenartige Vielrednerei am 15. Februar d. J. im einem verrufenen Haus in der Feldgasse sich verd├Ąchtig gemachte 32 Jahre alte ledige Maurer Alois Pichler aus Gr├╝bl bei Steinerkirchen an der Traun, verhaftete, aber dann wie sich herausstellte dem Morde fern stehend, durch einen hiesigen Gerichtsarzt untersucht wurde. Dabei stellte sich heraus, da├č Pichler zeitweilig nicht ganz zurechnungsf├Ąhig sei. Auf Grund des gerichts├Ąrztlichen Ergebnisses hat die Staatsanwaltschaft das Strafverfahren gegen Pichler eingestellt. Vor dem hiesigen Kreisgerichte hatte sich unter Vorsitz des LGR. v. Schnauss der am 16. J├Ąnner 1874 geborene nach Liebenstein in Bayern zust├Ąndige, ehemalige Fleischhauer und jetzige Tagl├Âhner Sebstian Jott wegen des Verbrechens des Betruges zu verantworten. Die Anklage wurde vom St. AGt. Dr. Domingo vertreten. Der Angeklagte erschien beschuldigt, am 31. J├Ąnner vor dem Untersuchungsrichter als Zeuge einvernommen, sich statt Sebastian Jott den falschen Namen Matthias Jott beigelegt und auch unrichtige Geburtsdaten angegeben zu haben. Der Angeklage wurde in der noch immer unaufgekl├Ąrt gebliebenen Mordaffaire von Kappling einvernommen, dem der 13 j├Ąhrige Ackerbausch├╝ler Franz Eichinger zum Opfer fiel. Es wurde n├Ąmlich damals gesprochen, da├č Jott am Alois Wallner, welcher unter dem Verdachte des Mordes in Untersuchung stand, eine Uhr abgekauft habe. Da dem ermordeten Knaben eine Uhr geraubt wurde, war Jott als Zeuge zum Untersuchungsrichter geladen. ├ťber die Mordaffaire vermochte Jott keinerlei Aufkl├Ąrungen geben, er hatte dem Alois Wallner auch keine Uhr abgekauft. Doch, wie erw├Ąhnt hatte sich Jott bei dieser Gelegenheit den Namen Matthias beigelegt, obwohl er Sebastian hei├čt. Bei der Verhandlung kl├Ąrte der Angeklagte, der in Deutschland bereits 29mal vorbestraft erscheint, auf, warum er sich einen anderen Taufnamen, und zwar den seines Bruders, beilegte. Da er in Deutschland infolge seiner vielen Vorstrafen nicht leicht Arbeit finden konnte, ging Sebastian Jott, versehen mit der Invalidenkarte seines Bruders Matthias als Legitimation, und in Begleitung seiner Konkubine, Maria Bachl, nach ├ľsterreich. Er kam nach Meggen-hofen, wo er Arbeit bekam, mu├čte sich jedoch nun ein Arbeitsbuch l├Âsen. Sebastian Jott lies sich auf Grund der Invalidenkarte seines Bruders ein Arbeitsbuch ausstellen, gab seine Konkubine als seine Gattin aus und besorgte auch ihr auf Grund der falschen Angaben ein Arbeitsbuch. Dies tat er damit sie beide bei einem Bauern Arbeit und Unterkunft fanden. Als die Nachforschungen nach dem Knabenmorde eingeleitet wurde, kamen zwei Gendarmerie Wachmeister, Johann Reichel und Alfred Sch├Âppe zu Jott, um ihn wegen seines angeblichen Uhrenkaufes zu vernehmen. Bei dieser Gelegenheit gab sich Jott als Matthias Jott und die Bachl als seine Gattin aus. Bemerkenswert ist, da├č die Heimatsgemeinde des Angeklagten diesen als sogenannten “Halbzigeuner” bezeichnet. Der Gerichtshof verurteilte Sebastian Jott zu zwei Monaten Kerker und sprach gleichzeitig die Aus-weisung desselben aus ├ľsterreich aus. Leider ist es der Genarmerie, welche noch immer unausgesetzt die eifrigsten Erhebungen in der dunklen Mord-affaire pflegt, noch nicht gegl├╝ckt, den verruchten und gemeingef├Ąhrlichen T├Ąter ausfindig zu machen, welcher am 21. Dezember den 12 j├Ąhrigen armen bedauernswerten Knaben Franz Eichinger, Kettlgrubersohn von Offen-hausen und Ackerbausch├╝ler in Ritzlhof auf grausamste und einer in unseren Landen un├╝blichen Weise zu Tode brachte.

Author: lossofgravity

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