• Prolog: Der Verlust der Schwerkraft

    Warnung an den Leser! Weder um den Leser zu täuschen, noch um ihn in die Irre zu führen, muss gesagt werden, dass dies, was du in Händen hältst, keine Geschichte erzählt, noch den arroganten Anspruch einer historischen Wahrheit erhebt und erst recht nicht ein reines Phantasieprodukt des Autors ist. Vielmehr ist es ein Notizbuch mit […]

  • Das leere Haus

    Gegangen ist sie worden, ins Altersheim abgeschoben, gegen ihren Willen und gegen jede Vernunft und Moral. Ihr Haus nun leer, ausgeräumt und geplündert. Die Tür des kleinen Safes der Grossmutter, versteckt im alten Kasten ihres Schlafzimmers steht offen, leergeräumt, geplündert. Helle Rechtecke auf Tapeten verraten, dass einst Bilder hier hingen. Die vielen Statuen von Grossvater, […]

  • Leben

    Nichts von alledem ist auch nur annähernd wahr. Nichts könnte weiter von der Realität entfernt sein.

  • Die Transmigration der Gunskirchner Lutherianer

    Johann Cajetan Giovanelli von Gerstburg stammt aus einem alten lombardischen Adelsgeschlecht, das urkundlich 1237 bezeugt ist. Er wurde am 11. April 1699 in Bozen als Sohn des Dominik Franz Giovanelli, Ritters von Gerstburg, des landesfürstlichen Oberforstmeisters und seiner Ehegattin Katharina Kraus von Scala und Krausegg geboren. Er hatte 14 Geschwister, von denen zwei Brüder, Josef […]

  • hans

    der hans des woar a brutaler. der hod sei eigane frau gschlogn. hod se obegrennt üba de stiagn a. de hod si moi den oarm brochn. hod as üba de köllastiagn obegrennt. und don hod er hoid den dokta oagruafn den engl. den hobn mia ghobt ois hausoarzt und won ma vom Hans irgendwos oangfongan […]

  • Die Ikari der Stari Most

    Hoch oben im Turmcafe des alten Wachturms, sitzt er und lässt seinen Blick von den engen Gassen geduckter Steinhäuser des kroatischen Westteils hin zur alten Brücke, der Stari Most schweifen. Herz und Symbol von Mostar. Vor ihm ein Glas türkischen Kaffees, den er in den letzten Wochen zu schätzen gelernt hat. Er blickt hinunter auf […]

  • Ein Stelenmeer des Unaussprechlichen

    Auf Gräbern spielte ich als Kind, ließ Knochen zerschellen zu Pulverregen, blickte manchem Totenschädel in leere Augenhöhlen tief hinein ohne Angst, ohne Scheu, ohne Widerstreben. Waren sie es doch, die mir ein Lächeln schenkten, in grauer elterlicher Welt. Sie waren da, wenn ich sie brauchte, hörten zu mir, manchmal stundenlang. Gefürchtet hatte ich die Lebenden […]

  • Die Welle

    Die Krone einer ungeheuren Welle zeitloser Traumzeit hob mich auf und lud mich zu einem Ritt hoch oben auf dem Wellenkamm einer zartsinnigen Welt inneren Seins. Gischtend brach sie unter stürzendem Getose, ich fiel und gab mich hin der tosenden Gewalt ihrer Geströme, umhergewirbelt, eingetaucht und hineingesogen in die schäumende Unermesslichkeit ihrer unbändigen Natur. Dann […]

  • Heilbuch der Frauwen meiner Familie

    Bei Körperwürmern empfehl ich dir Erde, die zuvor du erhitzt hast, zu essen. Bei Halsschmerzen sollst du mit dem eigenen Urin gurgeln. Ein mit Farn ausgelegtes Bett zieht aus dem Körper Gicht und Ischias und heilt Albschoss. Für die Alten, die ihr Wasser nur schwer verhalten können, hilft ein Maisbarttee. Der Woazbart wird gepflückt, getrocknet […]

  • Vom Leben und Sterben der Trauners

    Aus dem Dunkel der Zeit ins geschriebene Wort kommt Wolfgangen Trauner an den Ort zu Fusse des Hügels der einst die verfallene Burg Chapellen trug. Ein kleines Gotteshaus anbei, was kapella heißt. Capella zu Chapellen, aus Kappeln Kaipling und Kappellenn zu Khapelln, dann Cappeln, Khappelen zu Capell und Capeln zu Capellen, ein Kappeln das dann […]

  • Das Exil meines Lebens

    Der Schmerz der Verdammnis brennt in meiner Brust, zerfrisst die Vergangenheit wie das Salz des Meeres meine Haut. Meine Heimat, zu Asche verfallen, trägt der Wind der Ferne mit sich. Die Erinnerung an eine Kindheit, die keine war, löst sich auf in der Zerstreutheit des hingeworfenen Lebens eines Verbannten. Erst langsam fange ich an wieder […]

  • Brief an den Vater

    Noch schlägt dein Herz, mein Vater, und ich schreibe dir. Können dich meine Worte noch erreichen? Wie ein Windspiel hüllte dich der Nebel deiner Krankheit— Morbus Alzheimer— ein, immer dichter und undurchdringlicher, wusch dir die lebenslange Qual unerträglicher Gedanken von deiner Seele und ließ dich zurück in der Unschuld deines geistlosen Seins. Eingetaucht in den […]

  • Buchauszug “Der Verlust der Schwerkraft”

    Der Himmel das war die Küche meiner Großmutter. Der einzige Ort, an dem das Kind sich sicher wähnte und wohin es flüchtete, wenn Sturmwolken aufzogen im Haus nebenan, im Haus der Eltern. Der Himmel das waren die Semmelknödel, die ihre, von Altersflecken übersähten Hände und von der Gicht gekrümmten Fingern, zu köstlich flauschigen Bällen rollten, […]

  • Himmel

    Der Himmel das war die Küche meiner Großmutter. Der einzige Ort, an dem das Kind sicher war und wohin es flüchtete, wenn Sturmwolken aufzogen im Haus nebenan, im Haus der Eltern. Der Himmel das waren die Semmelknödel, die ihre, von Altersflecken übersähten Hände und von der Gicht gekrümmten Fingern, zu köstlich flauschigen Bällen rollten, die […]

  • Heilige Jungfrau Maria Gottes

    Samstäglicher Gottesdienst, 17.00 Uhr Pfarrkirche Grieskirchen Anwesend: Pfarrer Josef Gemainer (Pfarrer) Gottesfürchtige Grieskirchner (GG) unter ihnen Frau B., Zwiesprache mit Jungfrau Maria haltend (FB) Gruppe unschuldiger Kinder (GUK) Der Pfarrer erhebt seine Hände zum Herrn. Pfarrer: Erhebt euch zu Ehren des allmächtigen Gottes und lasst uns miteinander beten! Die Pfarrgemeinde erhebt sich. Pfarrer: Allmächtiger Gott, […]

  • Der Heimatvertriebene

    Zurück kam ich in eine Heimat, die niemals meine eigene war, von der Familie ins Exil getrieben, kehrte ich wieder, doch nur als Wort, als Stimme eines Heimatvertriebenen, der mit den Augen eines Fremden all das wahrnimmt, das durch die blinde Gehorsamstradition einer Kleinstadt, in Kellern und Archiven im Schweigen der Zeit in Ketten lag

  • Nebel der Tage

    Einem wortlosen Kinderspiel gleich, hüllte ihn der Nebel seiner Krankheit— morbus Alzheimer— ein, immer dichter und undurchdringlicher, wusch die lebenslange Qual unerträglicher Gedanken von seiner Seele und ließ ihn zurück in der Unschuld eines geistlosen Seins.

  • All dies

    All dies, mein Schreiben, ist eine Durchdringung in mich selbst, eine Er-fahrung über die Grenzen meines eigenen Seins durch das Wort, das sich gegen das Vergessen im Strom der Zeit stemmt. Eine Ver-rückung meiner Existenz, das Verweigern des Gehorsams und die Zertrümmerung eurer langweiligen, banalen Konformität. Ich atme, weil ich schreibe. Ich lebe, weil Wahrheit […]

  • Unsere Welt

    Unsere Welt erschaffen aus der Ablehnung unserer Erinnerung

  • Die Hochzeit zu Buchkirchen

    400 Jahre langes Nachschlagen im Buchkirchner Kirchenbuch hatte den Einband aus gewachstem Schweinsleder, von den, mit feingedrehten Hanfschnüren gebündelten, handgeschöpften Flachsblättern, die dem Leseunkundigen ihre Geheimnisse verbargen, abgelöst. Nur rußtintengeschwärzte Pfarrersdaumen und ölig-schmutzige Gsellpriesterhände durften es berühren und hinterließen den Abdruck ihrer Zeitlichkeit auf der rechten unteren Ecke des Deckblatts. Auf dem Vorderschnitt entdecke ich […]

  • Draußen vor der Stadt

    Für meinen Urgroßvater war die Welt eine flache Scheibe, ringsherum begrenzt durch einen Horizont, aus dessen Mitte der barocke Zwiebelturm der Martinskirche von Grieskirchen in den Himmel ragte. Sobald er diesen bei seinen sonntäglichen Spaziergängen nicht mehr sehen konnte, machte er auf der Stelle kehrt und ging in die Stadt zurück. Jenseits jener unsichtbaren Grenze […]

  • …narbengesicht…

    …eine narbenhaut, gespannt, dort wo ein antlitz menschliches zeigen sollte, jedoch bloß eine fratze steht, wie… …mit löchern, aus denen inwohnendes böses starrt, ein vipernblick, totenkalt, sein opfer fixierende augen… …ein mund, den kein schwerthieb traf, zerfurcht jedoch wange, kinn und stirn, selbst der nase fehlt ein stück, betrunken, zerschnitten von autoglas… …wie ein schakal, […]

  • Vae victis – Von der Asche der Welt

    „Durch Gerechtigkeit muß das Land bestehen, durch Unrecht wird es ganz vergehen.“ Der Morgen ist kühl mit Temperaturen um den Gefrierpunkt und selbst tagsüber werden sie nicht über 8 Grad klettern, ein trostlos grauer Oktobertag in München. Durchgehend mäßiger Sprühregen fällt auf den Ostfriedhof, als um 9 Uhr früh, zwei Armeelastwägen, begleitet von einer Militäreskorte […]

  • 9/11 Berlin

    Das aufziehende Sommergewitter peitscht Sturmböen durch mein Gemüt und erstickt das unendliche Warten der letzten hundert Tage in der Schwüle meiner Ungeduld. Wie lange noch? Nicht länger wage ich es wachgeschwitzte dunkle Nächte zu zählen. Dann der Moment als selbst die Zeit ich überholte und nicht länger meine Ängste und Sorgen und mögliche Unmöglichkeiten in […]

  • Stummer Schrei der Lust

    Die Augen noch schwer Von einer verspielten Nacht erfüllter Triebe Leichtes Kopfweh und ein steifer Hals Stunden entrückter Ekstase und sublimierter Energie Haben mich ins Grenzenlose erweitert: Tiefer und tiefer und Höher! Höher! Noch höher hinaus! Unmöglich auch nur der Versuch, es zu beschreiben: Zu vulgär, viel zu brutal und zu pervers. Doch in Wahrheit […]

  • Ein nebelgraues Meer Unendlichkeit

    „Du bist der einzige in der Familie, der die Wahrheit herausfinden und sie auch verstehen kann“, eröffnete mir meine Grossmutter im Gallspacher Altersheim, in welches man sie abgeschoben hatte, während vor dem Fenster, der November die Welt mit grau-grauslichem kalten Nebel wegwischte und sie aufhörte zu sein. Alterszittrig streckte sie mir einen abgegriffenen Briefumschlag entgegen, […]

  • Kaltenbrunner: Monster, Mensch, Vati

    Auf der Anklagebank Ernst Kaltenbrunner. Seine linke Gesichtshälfte von tiefen Narben zerfurcht: Kinn, Schläfe und Stirn. Drei weitere zerteilen seine Wange, eine reicht bis an den Mund. Er ist stolz auf die ihm ins Gesicht geschriebenen Zeichen seines Mutes. Damals gab er damit an: „Ich brillierte auf Mensur nicht durch technisches Können, war aber wegen […]

  • Spurensuche

    Meine Reise in die Vergangenheit ist ein Weg in eine andere Zeit um in den Spuren meiner Ahnen mich selbst zu finden.

  • zu dir

    zerstöre nicht die brücken lass mich manchmal noch zu dir hinübergehen

  • Der Durchfahrene

    Das, welches, zu allererst noch fern, dann nah, über ihn und letztendlich in ihn hinein und durch ihn hindurch fuhr, hinterließ ein seelenloses Loch, aus dem nun Gedärme hingen und in dem, bei genauem Hinsehen, ein Betrachter das Schlagen seines— bar jenes schützenden Rippenpanzers— freiliegenden Herzens beobachten und erstaunt feststellen konnte, dass es ihn nicht, […]

  • Matricula Terra incognita

    400 Jahre Nachschlagen im Buchkirchner Kirchenbuch hatten den Einband aus gewachstem Schweinsleder, von den, mit feingedrehten Hanfschnüren gebündelten, handgeschöpften Flachsblättern gelöst, deren eng beschriebene Seiten jahrhundertelang dem Leseunkundigen ihre Geheimnisse vorenthielten. Nur rußtintengeschwärzten Pfarrers- oder weihrauchharzigen Gsellpriesterhänden war es gestattet, das Buch zu berühren, wobei sie in der rechten unteren Ecke des Deckblatts, den Fingerabdruck […]

  • Wanderer

    Ich bin ein Wanderer zwischen Welten   Ein Wanderer Gestrandeter  

  • Maria Schicho “Die erste Frau im Gau”

    Maria Schicho’s Werdegang glich einer Bilderbuchkarriere. Aus einer einfachen Schneiderin und Kleintierzüchterin wurde die mächtigste Frau im Gau Oberdonau. All dies verdankte sie guten nachbarschaftlichen Beziehungen. Eine schier unglaubliche Geschichte. Maria erblickt am 27. April 1891 um 1/2 11 Uhr mittags als Tochter von Franz Grafinger, langjähriger Reichsratsabgeordneter und Bürgermeister von Grünau im Almtal und […]

  • Tage des Frosts

    Tage des Frosts lagen über dem Land. Mühselig erhob sich der Morgen eines sonnenlosen Tages aus dem Nebel einer sturmgebeutelten Nacht. Die dunkelschwarzen Stämme der uralten Wächter des Waldes verloren ihre Gestalt, verschwammen in undurchdringlichen Nebelschwaden und hörten auf zu sein. Grabesstille. Die Totenstarre eines nicht enden wollenden Winters in der alles Leben unter einer […]

  • Aus dem Nebel der Welt erwacht

    Inmitten der Einsamkeit einer, immer wieder aus dem Dasein gleitenden, grauweißen Welt aus Eis und Schnee, einer Welt, befreit von aller Form und Sein, aus dem Nebel einer ewig gebärenden und verzehrenden Weltseele, richtet der Mann seinen Blick nach oben, als einem Wink, einem Fingerzeig Gottes gleich, ein Strahl der verborgenen Sonne—leuchtend, rein und klar […]

  • Der SS-Todeszug, der 21 Leichen hinterließ

    (Artikel, Oberösterreichische Nachrichten von Josef Achleitner, 18.4.2017) http://www.nachrichten.at/oberoesterreich/Der-SS-Todeszug-der-21-Leichen-hinterliess;art4,2541248 Der SS-Todeszug, der 21 Leichen hinterließ Grieskirchner Zeitzeugin setzte Gedenktafel für die Opfer des fast vergessenen, mörderischen Judentransports durch. Eine kleine Gedenktafel in Grieskirchen erinnert seit dem Vorjahr daran, dass die von der SS angeordneten und betriebenen Todesmärsche und Todeszüge von Juden aus dem deutschen NS-Vernichtungslager Auschwitz […]

  • Aus Chaos geboren

    Ex Caligine Chaos Ex Chao et Caligine – Nox Dies Erebus Aether Ex Nocte et Erebo – Fatum Senectus Mors Letum Ex Aethere et Die – Terra Caelum Mare Ex Aethere et Terra – Dolor Dolus Ira Luctus Mendacium Ius iurandum Ultio Intemperantia Altercatio Oblivio Socordia Timor Superbia Incestum Pugna Aus Nebel erwachte Chaos Aus Chaos und Dunkelheit erwuchsen Nacht […]

  • Das Verhör des Lebens

    Grell, im Neonlicht deiner Geburt, das Verhör des Lebens: ge­bets­müh­len­ar­tig, die Frage nach dem Sinn deiner Existenz in deinem Kopf brüllend, treibt es dich in den Wahnsinn deines Daseins, aus dem dich nur die Dunkelheit der ewigen schlaflosen Ruhe erlösen wird.

  • Das Inferno unserer verschränkten Leben

    Meine Welt zerborsten unter Hammerschlägen mütterlicher Zuneigung. Vom Sturmwind unschuldiger Kinderherzen zerstreut, der Staub meines elenden Daseins. In meinem von allem Menschlichen entrückten Blick zürnt das Inferno unserer verschränkten Leben. Ich bin die Stimme in euren Köpfen. Ich werde euer Mahner sein.

  • Muttergefühle

    „Vater geht’s nicht gut. Er hat sich gerade hingelegt, weil er sich so aufgeregt hat. Kannst du ihn nicht einmal beim Mittagessen in Ruhe lassen, mit deinem…“ „Meinem was?“ „Na, du und dieser … dieser Mann.“ „Dieser Mann ist mein Freund, wir leben zusammen.“ „Ich hab dir schon so oft gesagt, dass, was du und […]

  • „Kulturverein Rossmarkt 1“ – Geschichte einer öffentlichen Erregung

    „Kulturverein Rossmarkt 1“ Geschichte einer öffentlichen Erregung GRIESKIRCHEN. Als Anfang der 80er Jahre, eine Handvoll junger Leute, den „Kulturverein Rossmarkt 1“ gründet und damit das alte Kaiserwirtshaus am Rossmarkt aus seinem Dämmerschlaf reißt, ist dies der Beginn einer komplizierten 25-jährigen Beziehung. Erinnerungen an eine Stätte öffentlicher Erregung. Der Wildwuchs muss beseitigt werden! Man fing mit […]

  • Verfall

    Wir beobachten den Verfall des anderen, welcher unser eigen ist.

  • Der Todesstern

    Das Schicksal zweier Menschen, welche sich mit einer Intensität verabscheuten, die sie ihr ganzes Leben lang immer fern von einander hielt, in einer Distanz, welche beiden ermöglichte, in einer absurd tragischen Symbiose zu überleben. Doch nun beginnt dieses Kräftegleichgewicht zu erodieren und sie stürzen mit einer Wucht und Gewalt einem Zusammenstoß entgegen, der die unabwendbare Annihilation […]

  • Westbahnhof 3 Uhr morgens

    Alle zwanzig Minuten dreht der private Wachdienst seine Runde. Zwei Männer, beide um die dreißig, beide Schnauzbartträger. Sie bleiben stehen. “He, Oider, aufwachen!” Seine Stimme hallt durch die leere Wartehalle. “G’schlafn wird do ned. Schlafn kannst wo anders.” Der Wachmann deutet auf die leere Weinflasche am Boden. “B’soffn is a, blunzenfett, den krieg’ ma ned […]

  • Nazi Nomenklatur des Hasses

    – Nationalsozialist – Arbeiter der Stirn und Faust – Braunhemden – Arbeiterpartei – Spielmannszug – Volksgenossen – Hitlergardist – Meineidstaat – Novemberverbrecher – Dolchstoßaffäre – Revolutionstheater – Rucksackspartakisten – Schwindeldemokratie – Geldsackrepublik – Bonzokratie – Kartenhausrepublik – Unstaat – Parlamentskadaver – Weimarer Sumpf – neudeutscher Wehrwille – Futterkrippenpolitik – judendienerisch – Reichsschädling – Weltversöhnungsapostel – […]

  • Die gefeierte Moral

    Den Kopf in den Arsch stecken, um sich am Analgeruch bürgerlich-elitärer Eitelkeiten zu ergötzen.

  • Die Illusion der Perfektion einer Familie

    Vielleicht will ich gar nicht alles verstehen, denn schon der Versuch, es zu verstehen, würde ein Eingestehen sein und Eingestehen, kann ich nur etwas, dessen Existenz ich nicht bestreite oder zu dem ich mich durchringe, anzunehmen, dass es existiert. Dies widerspricht meiner Natur zutiefst. Dagegen verwehre ich mich vehement.

  • Und dann hams den Pfarrer daschlogn

    Der Bauernknecht Andre Wibmer von Strass wurde „wegen des ermordeten Pfarrers zu Gunskirchen, Herrn Georg Ziegler selig, wo er mit zugeschlagen, den 29. Jänner 1598 gehänkt.“ Archiv Lambach Verhör Wolf Wirt 1597   Als der Pfarrer von Gunskirchen, Georgius Ziegler, am zweiten Adventsonntag, am 7. Dezember 1597 von der Kanzel aus, die Feier der Messe […]

  • Das Lied vom Weber

    Zehn kleine Katzenbabys, die liefen um die Scheun’, einer wird es bald bereuen, da warens nur noch neun. Neun kleine Katzenbabys, so war es abgemacht! Hat der Weber mitgebracht, da warens nur noch acht. Acht kleine Katzenbabys, wo sind sie bloß geblieben? Fortgetragen von frechen Dieben, da warens nur noch sieben. Sieben kleine Katzenbabys, gebraten […]

  • Der Elfenbeinturm sozialer Eitelkeiten

    Dass dieser tägliche, perfide Akt, der freiwilligen, sich ständig wiederholenden, zelebrierten Selbstunterwerfung, diese, für jeden freidenkenden Menschen, unwürdige und degradierende Kleinstadthierarchie, erst ermöglichte, erlaubte geltungssüchtigen Opportunisten, wie meiner Mutter, die steilen Stufen des Elfenbeinturmes sozialer Eitelkeiten, langsam aber stetig, zu erklimmen.

  • Die Dunklen der Nacht

    Die ihr euch aus der Einsamkeit der Vergangenheit erhebt, um auf Gräbern zu tanzen. Knochenhände umfassen zarte Kinderhändchen, sanftes Augenleuchten in hohlen Totenköpfen. Die Leidenschaft eines unangepassten jungen Lebens in der stillen Gesellschaft der Ahnenväter seligen Angedenkens. In der Geborgenheit geschenkter Friedhofsstunden ist die Weisheit vergangener Lebensreisen, der einzige Trost in der Dunkelheit einer Seele, in der […]

  • Das erstickte Lachen eines Kindes

    Ein Blick so tot, Wie das erstickte Lachen eines Kindes, Das den Geschmack von Schokolade nicht kennt. Ein Pferd, Als Ersatz für Liebe, Die niemals zu dir kam. Ein Leben so farblos, Wie die Falten in deinem Gesicht. Ein Mauerblümchen, schnell verwelkt und schon vergessen. Gehorsam und Unterordnung! Von der Privatmädchenhauptschule Bis zur gesicherten Anstellung […]

  • Weihnachten wird abgeschafft!

    Die Bühnendekoration ist auf ein Minimum beschränkt. Eine einfache Holzbaracke, im Hintergrund ein kleiner Ofen mit Kochplatte und ein Holzstuhl. Ein kleiner Tannenbaum mit nur wenigen Ästen. Es ist der 24. Dezember 1947 im Lager „Marcus W. Orr“ in Glasenbach. Hauptakteure sind eine Gruppe weiblicher Häftlinge, der Lagerkommandant und zwei SS-Männer. Die Dialoge und Bewegungen […]

  • Was die Magd des Thoma Paurn zum Erzöhln hodt

    Jo mei Gott, was soi I eich scho erzöhn von meim Lebn! I woar jo nur a afoche Magd und bin a ned vü umakuman in da Gegnd. De gonze Zeit, hob I nua goarbeitet und des scho seitdem i a klanes Mädl woar. Wir hobn jo a miaßn, weil wir so vü Kinda woarn, […]

  • Von lächerlichen Ernsthaftigkeiten

    Die lächerliche Ernsthaftigkeit, mit der diese Lächerlichkeit ins Ernsthafte gezogen wird, zeigt besser als alles andere, die Lächerlichkeit des Denkens meiner Mutter, alles Ernsthafte betreffend.

  • Heidegger’s Landleben

    Das Land zeichnet sich durch eine verlogene Ehrlichkeit aus. Eine Geradlinigkeit des Denkens, welche von Außenstehenden, durch den Stumpfsinn der Alltäglichkeit ihres Daseins, auf das peinlichste karikiert wird. „In der vom durchschnittlichen Sinn entleerten Welt eröffnet sich dem Dasein eine Fülle an Möglichkeiten.“                         […]

  • Selbstreflexionen

    Eine Kindheit, an der mich am meisten erstaunt, dass sie nicht in meinem Selbstmord geendet hat. Mein Wille zum Überleben als reiner Trotz meiner Mutter gegenüber, die mein frühes Ableben immer schon als eine realistische Möglichkeit in Betracht gezogen hatte.

  • Ein Hassgebet

    „Jetzt kannst Du denken was Du willst, aber ich habe Ihren Heimgang erbittet (sic) bei Gott. Ich sollte alle Tage zur Mutter Gottes in der Kirche beten. Und zwei Monate habe ich dies getan. Und die Mutter Gottes hat mich erhört. Denn ich habe gebetet, dass sie nicht leiden, sondern schnell einschlafen möge und wenn […]

  • Das Tal an der Grenze

    Keinen Tag länger wollte sie in dem engen Tal an der Grenze verbringen, einem Tal, welches ihr die Sicht auf die Welt nahm, ein Tal welches sie vor den Blicken der Welt verbarg und was noch viel schlimmer war: ein Tal in dem die Sonne niemals schien und deswegen ihr im Aufkeimen befindliches Wesen dazu […]

  • Der Schrecken meiner Geburt

    Ich wurde nicht geboren – ich wurde auf die Erde geworfen. Meine resolute Weigerung, die Geburtshöhle zu verlassen, welche ich seit dem Tag meiner Zeugung vor zweiundvierzig Wochen bewohnte, war der erste Akt meiner Rebellion gegen meine Mutter. So war ich bereits der sechste Versuch meiner Eltern, ein Kind in diese Welt zu setzen. Bevor […]

  • Die lange Nacht der scharfen Messer

    Sein Gewissen ließ ihn jahrzehntelang nicht schlafen. Die Stunden der Nacht brachten Gedanken, welche ihm tagsüber untersagt waren zu denken. Wie scharfe Messer schnitten sie sich in sein Herz, bohrten sich tief in seine Seele und beraubten ihn seiner Lebenskraft, während seine Frau, neben ihm im Ehebett, ohne Reue oder schlechtes Gewissen, für die Grausamkeiten, […]

  • memento leopoldi

    „des fluß lauf vorbei an Adams rippe Eva, den patriae der sohne folgend weybern den muttern vnd zweyg auf stam vnd hūs seyn volck, so ward ich alth Leopold paur zu Horling geruft, der erste seyn geschlechts deß nam in den annālēs der zeyt gesrieven wurd durch Gott allmächtig wort vnd heylig schrifft auch wenn […]

  • Der letzte Heimgang des Franz A.

    Franz Aichinger, Zögling der Ackerbauschule in Ritzlhof, ehelicher Sohn des Franz und der Aloisia Aichinger, geborene Höftberger, Kettlgruber in Stockerberg, verließ am Vormittag des Heiligabend im Jahre 1912  des Herrn, den Schlafsaal des Internats, in dem er während der Schulmonate wohnte, und bummelte, denn er hatte keine Eile, da sein Zug erst in einer Stunde […]

  • Der Wert der Arbeit

    Einer ordentlichen und geregelten Arbeit nachzugehen, daß sei ein erstrebenswertes Ziel und nicht den ganzen lieben langen Tag mit Freunden, alles asoziales Gesindel, herumzulungern und nichts zu leisten, während sie tagaus tagein von früh bis spät hart arbeite. So mancher brave Jugendliche geht in seiner Freizeit, an Wochenenden und in den Ferien arbeiten, selbst die […]

  • Die Puplikation [sic!]

    „Ist ein Ereignis oder eine Botschaft gesellschaftlich nicht erwünscht, fällt sie dem Totschweigen anheim. Das Ereignis hat dann scheinbar nicht stattgefunden, der Schein sichert das Sein.“ Schreiben um gegen das Totschweigen, der Auslöschung der eigenen Existenz das Wort entgegenzustellen. Schreiben um sich zu wehren gegen die Übermacht derer die einen in die Welt geworfen haben […]

  • Der Ackerbauschüler

    Der Ackerbauschüler Ertrunken aufgefunden. Aus Gunskirchen wird telegraphiert: Es wurde heute vormittag Franz Eichinger, Kettlgrubersohn von Offenhausen, Ackerbauschüler in Ritzlhof, in einer Lache bei Kappling, Gemeinde Gunskirchen, tot aufgefunden. Eichinger hat sich wahrscheinlich Dienstag, Heiligabend verirrt, als er zu seinen Eltern auf Ferien heimging. Aus Wels wird uns heute telefoniert: Es hat sich in der […]

  • Feuerklingen

    Was finden diese Menschen nur an der Natur? Was plagen sie sich jedes Wochenende in ihrer Freizeit damit ab einen Garten anzulegen, Sträucher und Bäume zu pflanzen und einen Rasen der dann andauernd gemäht werden muss? Warum wollen sie die Natur zu sich in die Stadt holen? Sollen sie doch froh sein, endlich dem Dreck […]