Am Horizont tauchte sie auf, eine massive Wand aus Stein, die mein Gesichtsfeld vereinnahmte und sich sowohl in westlicher, als auch in östlicher Richtung mit der Unendlichkeit der afrikanischen Steppe vereinte. Gipfel, weiß wie Elfenbein, glitzerten unter der glühenden Sonne Afrikas. Ich hatte das Undurchdringbare, die äußerste Grenze, die ein forschungshungriger Reisender erstreben, sich vorstellen oder gar erträumen konnte, vor Augen: Die Berge von Kong.

Meine Liebe zu Euch trug mich von Spanien durch die flammende Hölle des Wüstensees von Z’aara, ließ mich, als ich an der Küste von Oberguinea mit Malaria niederkam, in Nächten, in denen mich Fieberträume um den Verstand brachten und ich, sehnsüchtig und schon halbverrückt, immer wieder laut Euren Namen ausrief, weiterkämpfen.  Schon tags darauf schleppte ich mich am Flussufer des Nigers entlang, den die Tuareg „ghir n-igheren“ oder „den Fluss der Flüsse“ nennen. Alleinig der Gedanke an Euch hielt mich am Leben.

Doch meine Liebe, ich bitte Euch, ich flehe Euch an, habt noch ein wenig Geduld. Brennt mein Herz auch vor Sehnsucht nach Eurer Nähe, so ist es mein Forschungsdrang, der das Feuer schürt. Ich muss dorthin vordringen, wo die Karten noch weiß und unbefleckt sind, unerforscht von Geistesmenschen, wo sich Gottes Natur dem Menschen noch verbirgt. Südlich des Äquators schlägt das schwarze Herz Afrikas.

Händler aus Dabakala erzählten mir von einer Route durch die gefährlichen und unwirtlichen Höhen des Kong Gebirges, in dessen schneebedeckten Gipfeln, unvorstellbare Goldvorkommen auf ihre Entdeckung warten. Der Weg durch die Berge ist ein wohlgehütetes Geheimnis, das nur der Stammesälteste an seinen Sohn weitergibt. Doch glaubt mir, meine Herzallerliebste, und verzeiht diesen Ausdruck meiner Sehnsucht nach Euch, nichts, gar nichts! in dieser Welt, wird mich davon abbringen, in das Herz Afrikas vorzustossen, um Eures zu erobern.

So verbringe ich nun meine Tage in kleinen Dörfern im Schatten der übermächtigen Berg des Kong, die sich vor mir bis in den Himmel auftürmen und selbst den Wolken ihre Passage verwehren. Ich höre den Erzählungen der Ältesten zu, die mit mir die Geschichten der Donko Sklaven teilen, die, glaubt man den überlieferten Legenden, aus einem Land auf der anderen Seite des Undurchdringbaren stammen. Ich werde einen dieser Donko Männer aufspüren und er wird mich auf geheimen Bergpfaden durch die 80 Meilen weite Steinwüste führen. Selbst im Angesicht überhängender Wände mit Granittürmen, 600 oder 700 Fuß hoch, die wie die Überreste einer gigantischen Burgruine aussehen, wird mein Mut nicht sinken, denn im Gedanken bin ich bei Euch.

Auf der anderen Seite wird mich hügeliges Grasland mit fruchtbaren Weiden, die bis an den Horizont reichen, erwarten. Weiden, reich an Herden von Elefanten, Straußen, Rindern, Kamelen, Pferden und sogar Eseln. Ein Schlaraffenland mit immensem Reichtum, der mich als Fürsten zu Euch zurückkehren lassen wird.

Für Euch, meine Geliebte, meine Teuerste, werde ich das Unbezwingbare bezwingen und in eine neue Welt vorstossen, Ruhm und Ansehen zu Euch nach Hause tragen, so dass Euer verehrter Vater, mir Eure Hand zur Ehe reichen wird. Dies ist der höchste Gipfe,l den ein Mann erklimmen kann. Verliert nicht Euren Mut, wie ich auch den meinen nicht verlieren werde!

In ewiger Liebe und Verehrung

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