Herr Reimers ist im Park, beim Spielplatz. Zwei Kinder, ein Junge und ein Mädchen, vielleicht fünf und sechs Jahre alt spielen auf der Rutsche. Sein Hund, ein Mischling, weiß mit schwarzen Punkten liegt neben ihm im Schatten, dort bei seiner Parkbank. “Der ist schon hundert!” erklärt er jedem, der vorbeigeht. In einer Hand hält er ein Weinglas, die Flasche Rotwein in der anderen, “weil Wein, den darf man nicht aus der Flasche trinken”, sagt er. Fast jeden Nachmittag kommt er zum Spielplatz und sitzt auf seiner Parkbank. “Irgendwer muss sich ja um alles kümmern. Vor allem um Kuno”, Herrn Reimers Hund. Und wieder spricht er mit sich, denn die dicke Frau hat ihren Kinderwagen schon weitergeschoben, zwei Bänke weiter. Sicher ist sicher. Bei Neckermann hat er gearbeitet, zwanzig Jahre lang. Reiseleiter. “Da bin ich viel rumgekommen. Österreich, Italien, sogar manchmal nach Spanien. Aber eigentlich war es doch ein Arschjob. Immer dasselbe Gelaber im Tourbus. Dann diese Scheiß-Deutschen, knausrig mit dem Trinkgeld und sich über jeden Dreck beschweren… Neckermannpauschaltouristen.” Er gießt sich nach. “Jetzt warten wir noch auf die Rente und dann geht’s ab nach Portugal, gell Kuno, dann haben wir’s gut. Der Hund schläft, vielleicht ist er auch schon tot. Die Kinder gelangweilt vom Rutschen und wollen heim. Fernsehen. Herr Reimers schenkt sich noch ein Glas ein. Herrn Reimers geht es gut im Park, dort auf seiner Parkbank, beim Spielplatz.

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