Der Bauernknecht Andre Wibmer von Strass

wurde

„wegen des ermordeten Pfarrers zu Gunskirchen,

Herrn Georg Ziegler selig,

wo er mit zugeschlagen,

den 29. Jänner 1598 gehänkt.“

Archiv Lambach Verhör Wolf Wirt 1597

 

Als der Pfarrer von Gunskirchen, Georgius Ziegler, am zweiten Adventsonntag, am 7. Dezember 1597 von der Kanzel aus, die Feier der Messe nach katholischem Ritus für den nächsten Sonntag ankündigte, entstand in der Kirche ein Tumult. Pfarrer Ziegler kürzte die Predigt ab und begab sich in die Sakristei, in der sich sein Sohn und ein Diener befanden. Mit einem herbeigerufenen Zechprobst ging er dann durch den Friedhof auf den Platz nächst der Fleischbank. Dort standen 12 Bauernknechte und Bauernsöhne mit ihren Wehren. Ein Knecht rief ihn an: “Hersus Pfaff, du willst unseren Prädikanten, Herrn Hannsen, vertreiben?”

Der Pfarrer verneinte, er denke nicht daran. Trotz dieser Entschuldigung zogen etliche Burschen vom Leder und hieben und stachen auf den Pfarrer ein. Pfarrer Ziegler floh zum Messnerhaus und versteckte sich unter einem Bett auf dem Dachboden. Die Verfolger spürten aber Pfarrer Ziegler auf, warfen ihn herab, trieben ihn durch den Obstgarten des Messnerhauses, warfen ihn unter einem Baum zu Boden und erschlugen ihn mit ihren Waffen und mit Zaunstecken. Auch des Pfarrers Sohn wurde geschlagen, konnte sich aber vor dem sicheren Tod durch die Flucht retten. Der Diener wurde am Kopf schwer verwundet und erlag später der Verletzung.

Am selben Tag traf die, von der Haushälterin des Pfarrers, verständigte Kommission in Gunskirchen ein. Im Garten fanden sie den ermordeten Pfarrer Ziegler unter einem Baum nächst beim Zaun liegend und “mit seinem Mantel, der gleich wohl sehr zerrissen war, bedeckt, die halbe Hirnschale auf der rechten Seite entzwei und eingebogen mit offenem Mund, ganz blutigem Angesicht, frischen offenen Augen, in der rechten Faust alle Finger halb entzwei gehauen, die hart eingebogen und erstarrt gewesen. In der linken Hand zwei Finger abgehauen, die der Messner nach seiner Angabe beiläufig zehn Schritt vom toten Körper neben dem Zaun in einem kleinen Gesträuss gefunden und zu gedachten Körper gelegt. Dann auch den linken Schenkel würz entzwei gehauen.

“Was die Vollbringer der Gräueltat anbelangt, so sagte ein zu Wels gefangener Bauernknecht, Andre Strasser, ein Bauerssohn, teils in Güte, teils „in den vom Freimann angelegten Daumstöck” aus, ein anderer Bauernsohn, der Sigmandl zu Küttal hab ihn angeredet, er soll ihm auf nächsten Sonntag zu Gunskirchen des Pfarrers wegen einen Beistand tun; sie wollten den Pfarrer angreifen und schlagen, was er ihm zugesagt habe.

Er sei Sonntag den 7. mit seiner Wehr auf dem Freithof gekommen, habe dort den Sigmandl und 10 andere Bauernknecht und Bauernsöhne gefunden, alle mit ihren Wehren, auch des Sälinger Sohn Mertl sei mit seiner Wehr dabei gestanden. Sie seien hernach aus dem Freithof gegangen und hätten dem Pfarrer vorgewartet.

Als der Pfarrer herausgekommen, habe des Marxen Knecht Georg den ersten Streich auf ihn getan. Der Vater des ob genannten Mertl Säling zeigt im Verhöre an, dass er wohl das Gedränge in der Kirche und die Verfolgung des Pfarrers gesehen, aber nicht, wer ihn im Messnerhaus angegriffen oder ihn erschlagen habe. Sein Stiefsohn Mertl, seines Zeichens ein Schneider, sei auf Pichl gegen Grieskirchen auf Arbeit gezogen.

Ein zu Lambach gefangener Mathes Meindl, Schuster auf der Herzogshaid, Gunskirchner Pfarre, bekennt in peinlicher Frage den 19. December 1597, dass er zum Sailer zu Strass, der für den Pfarrer gebeten, gesagt habe:

„Ei, hett’ ers halt bleiben lassen, hett’ er halt den Kelch nit hinweg”. Das bekannte Meindl „aufs erste Ziehen.“ Aufs andere Ziehen bekennt er weiter, als Sailer für den Pfarrer gebeten mit den Worten:

„Herts auf liebe Pursch, herts auf, erschlagts ihn nit gar“, hat er, Meindl, geantwortet:

„Schweig still Sailer, du gottloser Pueb, du abgefallener Pueb oder man wird dir den Weg zeigen.“

Zu seinem Puebn, seines Bruders Sohn, habe er gesagt: „Wirf ihn an Grund, dass er uns unsern Herrn Hansen hat vertrieben.“

Des Bauern zu Küttal Sohn, wahrscheinlich der oben erwähnte Sigmandl, äusserte sich dahin:

„Der Meindl, dann Leopold Ebeler in der Pfarre Gunskirchen, ein Zimmerknecht, und der ältere Sohn Stockingers, haben das meiste bei dieser That vollbracht.“

Die beiden Zechleut haben nach der oben angeführten Inquisition um den ganzen Handel gewusst, denn sie sind bei den Bauern und Bauernknechten auf dem Freithof gestanden und wie der eine auf Aufforderung des Pfarrers in die Sakristei gegangen, sei viel Volk mitgelaufen und vor der Sakristei gestanden.

Wie viele der Täter zu Händen der Justiz gebracht wurden und ihre Schuld mit dem Leben bezahlten, vermag man aus Mangel an Nachrichten nicht genau zu sagen. Wir finden drei Hinrichtungen erwähnt.

Andre Wibmer von Strass wurde „wegen des ermordeten Pfarrers zu Gunskirchen, Herrn Georg Ziegler selig, wo er mit zugeschlagen, den 29. Jänner 1598 denen genannt, „welche vom Leder gezuckt und auf den Pfarrer geschlagen haben” gehänkt.

Aber des Pfarrers Dienerin, auch der Sohn und der Knecht des Pfarrers entschuldigten ihn.

Einen andern „so den Pfarrer von Gunskirchen erschlagen helfen” liessen die kaiserlichen Kommissäre Johann Jakob Löbl und Dr. Paulus Garzweiler zur Warnung für die Pfarrgemeinde Regau, welche ihren Caplan unter Lebensbedrohung fort gewiesen, den 14. Jänner 1599 zu Vöcklabruck exekutieren.

Den 30. Jänner wurde auf ihren Befehl ein Dritter auf demselben Baum, unter welchem das Verbrechen begangen worden, aufgeknüpft.

Den 11. Jänner vorher hatten sie den neuen Pfarrer von Gunskirchen installiert.

Obwohl der Landeshauptmann von Österreich ob der Enns, Hanns Jacob Löbl, Freiherr auf Greinburg, am 28. Dezember 1597 ein scharfes “Lanndtshaupmanisch Patent an die Pfarrleut zu Gunss Chirchen” gerichtet hatte, und die Gunskirchner “bey Leib Lebens vnd Guetesstraff” für den 4. Jänner 1598 in die Kirche befohlen wurden, um ihre Befehle der kaiserlichen Majestät anzuhören und am 11. Jänner 1598 “ein gelehrter exemplarischer Priester” als Pfarrer in Gunskirchen eingesetzt wurde, scheint sich in religiöser Hinsicht nicht all zuviel geändert zu haben. Viele Bewohner hielten nach wie vor am lutherischen Glauben fest und wie aus einem Schreiben Sigmund Ludwigs von Pollheim an den Abt von Lambach hervorgeht, befand sich im Jahre 1600 der lutherische Gsellpriester Hanns noch in Gunskirchen.

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